Apple · Datenschutz
App-Tracking: Apple ändert Datenschutz-Abfrage in der EU – Bundeskartellamt beendet Verfahren
Nach jahrelangem Streit mit Wettbewerbshütern und Werbebranche baut Apple die App-Tracking-Abfrage auf iPhones um: Das Wort „Tracking“ verschwindet, die Buttons werden getauscht – und das Bundeskartellamt stellt seine Untersuchung ein.
Düsseldorf, 17. August 2026 – Apple nimmt nach Kritik von Wettbewerbshütern und Gegenwind aus der Werbebranche Änderungen an der App-Tracking-Abfrage auf iPhones in Deutschland und anderen europäischen Ländern vor. Zugleich endet damit eine Untersuchung der Funktion durch das Bundeskartellamt.^[Handelsblatt – Datenschutz und Wettbewerb: Apple ändert Anti-Tracking-Abfrage in der EU – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/datenschutz-und-wettbewerb-apple-aendert-anti-tracking-abfrage-in-der-eu/100247720.html] Mit der Abfrage können Nutzer Apps verbieten, ihre Aktivitäten bei anderen Diensten zu Werbezwecken zu erfassen. Aus der Werbeindustrie kommt dagegen seit Jahren Widerstand; Apple verweist auf ein Recht der Nutzer auf Datenschutz.
Was sich konkret ändert
Die neue Version der Abfrage unterscheidet sich in drei Punkten von der bisherigen: Erstens taucht das Wort „Tracking“ auf der Auswahlseite nicht mehr auf. Zweitens erhalten App-Betreiber die Möglichkeit, Nutzer nach einem Jahr erneut um die Erlaubnis zu bitten, ihre Aktivität bei anderen Anwendungen und Websites zu verfolgen. Drittens werden die Auswahlmöglichkeiten getauscht: Bisher hieß es auf dem oberen Button „App-Tracking ablehnen“ und auf dem unteren „Erlauben“ – künftig steht oben „Erlauben“ und unten „Verbieten“.^[DIE ZEIT – Datenschutz und Wettbewerb: Apple ändert Anti-Tracking-Abfrage in der EU – url: https://www.zeit.de/news/2026-08/17/apple-aendert-anti-tracking-abfrage-in-der-eu]
Die geänderte Abfrage wird nur Nutzern in der Europäischen Union angezeigt. Entscheidend ist dabei, dass sie sich gerade im Gebiet der EU aufhalten – und nicht, aus welchem Land sie stammen.^[DIE ZEIT – Apple ändert Anti-Tracking-Abfrage in der EU – url: https://www.zeit.de/news/2026-08/17/apple-aendert-anti-tracking-abfrage-in-der-eu]
Der lange Weg zum Kompromiss
Hintergrund ist ein kartellrechtliches Verfahren: Das Bundeskartellamt hatte die Abfrage als möglichen Missbrauch von Apples Marktmacht im mobilen Werbemarkt geprüft. Nun erklärte die Behörde, Apple gleiche die Abfragefenster für eigene Angebote und Apps anderer Anbieter deutlich stärker an. Dabei entfielen „abschreckend wirkende Symbole und Formulierungen“ in der von Apple vorgegebenen Abfrage für Drittanbieter; die Fenster würden „inhaltlich, sprachlich und optisch neutral gestaltet“. App-Herausgeber und Inhalteanbieter bekämen zudem mehr Raum, um zu erläutern, welche Bedeutung personalisierte Werbung für ihr Geschäftsmodell hat.^[DIE ZEIT – Apple ändert Anti-Tracking-Abfrage in der EU – url: https://www.zeit.de/news/2026-08/17/apple-aendert-anti-tracking-abfrage-in-der-eu]
Der Kompromiss war hart umkämpft: Ende 2025 reichte Apple verschiedene Lösungsvorschläge ein und versprach unter anderem, die Abfragen neutraler zu gestalten; seit Dezember prüfte die Behörde die neuen Regeln in einem Markttest. Die Verbände der Medien- und Werbewirtschaft lehnten die Zusagen jedoch ab und forderten das Bundeskartellamt auf, den „Kartellrechtsverstoß durch eine wirksame Untersagungsentscheidung“ zu beenden und ein „hinreichend disziplinierendes Bußgeld“ zu verhängen.^[DIE ZEIT – Verbände lehnen Apple-Kompromiss zu Anti-Tracking-Abfrage ab – url: https://www.zeit.de/news/2026-03/10/verbaende-lehnen-apple-kompromiss-zu-anti-tracking-abfrage-ab]
Apples Drohung mit dem Rückzug
Der Streit eskalierte zwischenzeitlich: Im Oktober 2025 drohte der iPhone-Konzern damit, die App-Tracking-Transparenz (ATT) aus Europa ganz zurückzuziehen. „Intense lobby efforts in Germany, Italy and other countries in Europe may force us to withdraw this feature to the detriment of European consumers“, hieß es damals in einer Stellungnahme.^[BGR – Apple Threatens To Pull App Tracking Transparency From Europe – url: https://www.bgr.com/2005876/apple-may-withdraw-app-tracking-transparency-europe] Auch Wettbewerbsbehörden in Frankreich und Italien hatten Bedenken geäußert; Apple wurde dort mit Geldstrafen belegt. Die deutsche Werbewirtschaft hatte zuvor vergeblich versucht, das Instrument durch das Bundeskartellamt untersagen zu lassen.^[Euractiv – German advertisers urge watchdog to block Apple's app tracking tool – url: https://www.euractiv.com/news/german-advertisers-urge-watchdog-to-block-apples-app-tracking-tool]
Was der Abschluss bedeutet
Dass die Untersuchung nun ohne formelle Untersagungsverfügung endet, dürfte Apple als Erfolg verbuchen – die werbetreibende Wirtschaft erhält im Gegenzug spürbare Erleichterungen: künftige Nachfragen nach zwölf Monaten und neutralere Formulierungen. Für die Debatte um Datenschutz und Wettbewerb in der EU ist der Fall dennoch richtungsweisend: Er zeigt, wie weit Kartellbehörden gehen können, um die Gestaltung von Nutzerdialogen großer Plattformen zu beeinflussen – und wie groß der Widerstand der Branche dagegen ist.
Quellen: Handelsblatt – Apple ändert Anti-Tracking-Abfrage in der EU · DIE ZEIT – dpa-Meldung · DIE ZEIT – Verbände lehnen Apple-Kompromiss ab · BGR – Apple Threatens To Pull ATT From Europe · Euractiv – German advertisers vs. ATT