Bitcoin · Kryptowährung
25 Prozent auf Bitcoin: Klingbeils Krypto-Steuer und die Frage der Gerechtigkeit
Das Bundesfinanzministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Kursgewinne aus Bitcoin und Co. künftig wie Aktiengewinne besteuern soll. Die bisherige Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltedauer soll fallen. Während die Branche protestiert, streiten Beobachter über den richtigen Zeitpunkt und die richtige Begründung.
Berlin, 13. September 2026 – Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will die Besteuerung von Kryptowerten neu regeln. Nach einem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums sollen Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin, Ether und anderen Kryptowerten künftig unabhängig von der Haltedauer steuerpflichtig sein. Vorgesehen ist, die Kursgewinne wie bei Aktien der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zu unterwerfen.^[Handelsblatt – Steuern: Gesetzentwurf – Kryptowerte sollen ab 2027 besteuert werden – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/steuern-finanzministerium-plant-wohl-besteuerung-von-kryptowerten-ab-2027-01/100253020.html]
Was sich ändern soll
Bislang behandelt der Staat Kryptowerte wie Veräußerungsgewinne. Besteuert wurde ein Gewinn mit dem individuellen Steuertarif von bis zu 45 Prozent – allerdings nur, wenn die Werte innerhalb eines Jahres veräußert wurden. Nach Ablauf der Jahresfrist waren die Verkäufe steuerfrei. Diese Jahresfrist soll künftig entfallen.^[DER SPIEGEL – Kryptosteuer: Lars Klingbeil plant Abgabe von 25 Prozent auf Gewinne – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/kryptosteuer-von-25-prozent-klingbeil-legt-gesetzesentwurf-vor-a-54a11da3-e838-4e28-be75-7f24f3ba8b39]
Ein Freibetrag soll erhalten bleiben: Ähnlich wie bisher gilt der sogenannte Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro jährlich, besteuert wird also erst bei Kapitalerträgen oberhalb dieser Grenze.^[tagesschau.de – Finanzministerium will Krypto-Gewinne künftig besteuern – url: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/besteuerung-krypto-100.html] Der Entwurf begründet den Schritt damit, dass Kryptowerte zunehmend als private Kapitalanlage genutzt würden und die derzeitige Ausnahme nicht mehr vertretbar sei.^[tagesschau.de – Finanzministerium will Krypto-Gewinne künftig besteuern – url: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/besteuerung-krypto-100.html]
Uneinheitliche Angaben zum Startzeitpunkt
Wann die Neuregelung greifen soll, wird in den Berichten unterschiedlich dargestellt. Der Spiegel nennt einen Beginn „ab 2028“, ab dem Kursgewinne mit 25 Prozent belegt würden.^[DER SPIEGEL – Kryptosteuer: Lars Klingbeil plant Abgabe von 25 Prozent auf Gewinne – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/kryptosteuer-von-25-prozent-klingbeil-legt-gesetzesentwurf-vor-a-54a11da3-e838-4e28-be75-7f24f3ba8b39] tagesschau.de und das Handelsblatt berichten dagegen, die Regelung solle bereits ab dem 1. Januar 2027 eingeführt werden; alle davor erworbenen Kryptowerte sollen weiter der alten Regelung unterliegen.^[tagesschau.de – Finanzministerium will Krypto-Gewinne künftig besteuern – url: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/besteuerung-krypto-100.html] ^[Handelsblatt – Kryptowerte sollen ab 2027 besteuert werden – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/steuern-finanzministerium-plant-wohl-besteuerung-von-kryptowerten-ab-2027-01/100253020.html] Eine offizielle Bestätigung einzelner Daten steht noch aus; der Entwurf muss zunächst im Kabinett abgestimmt und anschließend von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden.
Wie viel Geld der Staat erwartet
Die fiskalische Bedeutung ist überschaubar, aber wachsend. Das Finanzministerium rechnet dem Handelsblatt zufolge im Jahr 2028 mit einem Steueraufkommen von 160 Millionen Euro; die Einnahmen sollen in den Folgejahren steigen und 2030 bei 350 Millionen Euro liegen.^[Handelsblatt – Kryptowerte sollen ab 2027 besteuert werden – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/steuern-finanzministerium-plant-wohl-besteuerung-von-kryptowerten-ab-2027-01/100253020.html] tagesschau.de nennt ein Plus von mehr als 300 Millionen Euro pro Jahr ab 2029.^[tagesschau.de – Finanzministerium will Krypto-Gewinne künftig besteuern – url: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/besteuerung-krypto-100.html]
„Gut so – aber nicht, um Geld einzutreiben“
Die F.A.S. verteidigt das Vorhaben ausdrücklich, kritisiert jedoch die Begründung. „Der Handel mit Kryptowährungen wird immer beliebter. Davon will nun auch der Finanzminister profitieren“, heißt es dort. Geplant sei, die Kursgewinne wie bei Aktien der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zu unterwerfen. Die Branche schreie auf und sehe das Wachstum des Handels in Gefahr. Der Finanzminister solle sein Vorhaben trotzdem vorantreiben – „allerdings nicht, um Geld einzutreiben, sondern aus Gerechtigkeitsgründen“.^[F.A.Z. (F.A.S.) – Pläne des Finanzministers: Bitcoin endlich besser besteuern – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/bitcoin-und-kryptowaehrungen-warum-lars-klingbeil-recht-hat-accg-201215298.html]
Denn es gebe keinen Grund, warum der Handel mit Kryptowährungen steuerlich gegenüber dem von Aktien bevorzugt werden sollte. Die Argumentation geht weiter: Alle Kapitalanlagen sollten gleich besteuert werden – was dann umgekehrt auch bedeute, dass Gewinne mit Gold, Kunst und anderen Sachwerten ebenfalls nicht nach einem Jahr steuerfrei sein dürften. Eine Vereinheitlichung würde zudem eine weitere Ungerechtigkeit beseitigen: Wertpapiere, die den Bitcoin- oder Goldpreis abbilden, seien jederzeit steuerpflichtig, während direkte Bitcoin- und Goldgewinne nach einem Jahr steuerfrei seien. Im Umkehrschluss müssten Kursverluste wie bei Aktien auch mit Gewinnen verrechenbar sein.^[F.A.Z. (F.A.S.) – Pläne des Finanzministers: Bitcoin endlich besser besteuern – url: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/bitcoin-und-kryptowaehrungen-warum-lars-klingbeil-recht-hat-accg-201215298.html]
Streitpunkt Verlustverrechnung und Bestandsschutz
Offen ist, wie der Gesetzgeber mit Altbeständen und mit Verlusten umgeht. Nach den bisherigen Berichten sollen vor dem Stichtag erworbene Kryptowerte unter die alte Regelung fallen. Ob und in welchem Umfang Kursverluste künftig mit Gewinnen verrechnet werden dürfen, ist bislang nicht abschließend geregelt. Genau diese Punkte dürften im weiteren Gesetzgebungsverfahren zum Streitfall werden – ebenso wie die Frage, ob die Neuregelung mit dem geltenden Recht vereinbar ist. Die JUHN-Partner-Rechtsanwälte weisen darauf hin, dass die Reform politisch beschlossen sei und mit ihrer parlamentarischen Verabschiedung gerechnet werde.^[JUHN Partner – Krypto-Haltefrist vor dem Aus – url: https://www.juhn.com/fachwissen/krypto-gewinne-sollen-steuerpflichtig-werden]
Quellen: Handelsblatt – Kryptowerte sollen ab 2027 besteuert werden · DER SPIEGEL – Klingbeil plant Kryptosteuer von 25 Prozent · tagesschau.de – Krypto-Gewinne künftig besteuern · F.A.Z./F.A.S. – Bitcoin endlich besser besteuern · JUHN Partner – Krypto-Haltefrist vor dem Aus