Trinkgeld · Kartenzahlung
„Kein Trinkgeld“ versteckt: Verbraucherschützer fordern Verbot manipulativer Designtricks
Zahlen per Karte ist längst Standard – doch die Trinkgeld-Abfrage auf dem Display wird zur Falle: Verbraucherschützer kritisieren, dass die Option „Kein Trinkgeld“ oft versteckt ist. Eine Umfrage zeigt: Die Hälfte der Gäste fühlt sich gedrängt.
Berlin, 24. August 2026 – Kaffee und Kuchen, zwei Pizzen zum Mitnehmen oder das Familienessen im Restaurant: Beim Bezahlen per Karte zeigen die Lesegeräte häufig eine Vorauswahl an Trinkgeld-Optionen an – 7 Prozent, 10 Prozent, manchmal 20 Prozent. Schnell etwas antippen zu müssen, versetzt manche Gäste in Stress. Verbraucherschützer und Gewerkschaft warnen vor unterschwelliger Beeinflussung.^[Handelsblatt – Verbraucherschützer monieren Tricks bei Trinkgeld per Karte – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gastronomie-verbraucherschuetzer-monieren-tricks-bei-trinkgeld-per-karte/100249181.html]
„Manipulative Designtricks“ auf dem Display
„Es muss auf den ersten Blick erkennbar sein, wie Gäste Trinkgeld ablehnen oder die Höhe selbst festlegen können“, sagte Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), der Deutschen Presse-Agentur. Der Verband setze sich daher für ein Verbot „manipulativer Designtricks“ auf europäischer Ebene ein, wie sie auch von Webseiten oder Apps bekannt seien.^[Handelsblatt – Verbraucherschützer monieren Tricks bei Trinkgeld per Karte – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gastronomie-verbraucherschuetzer-monieren-tricks-bei-trinkgeld-per-karte/100249181.html] Problematisch sei vor allem, wenn die Option, kein Trinkgeld zu geben, versteckt oder schlechter sichtbar sei: Die Felder mit voreingestellten Prozent-Vorschlägen werden auf den Displays teils größer oder farblich auffälliger dargestellt als andere Auswahlmöglichkeiten.^[Süddeutsche Zeitung – Verbraucherschützer warnen vor Tricks bei Trinkgeld per Karte – url: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kartenzahlung-verbraucherschutz-trinkgeld-kartenzahlen-tricks-li.3535811]
Umfrage: Die Hälfte fühlt sich gedrängt
Dass die Gestaltung Wirkung zeigt, belegt eine Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag des Verbands: Drei Viertel der Befragten (76 Prozent) befürworten, dass die Möglichkeit, kein Trinkgeld oder weniger Trinkgeld zu geben, ebenso sichtbar und leicht auswählbar sein sollte wie die vorgeschlagenen Beträge.^[Süddeutsche Zeitung – Verbraucherschützer warnen vor Tricks bei Trinkgeld per Karte – url: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kartenzahlung-verbraucherschutz-trinkgeld-kartenzahlen-tricks-li.3535811]
Gezielt gefragt, ob sie sich durch auffälliger dargestellte Prozent-Vorschläge zum Trinkgeldgeben gedrängt fühlten, bejahte dies gut die Hälfte: 36 Prozent stimmten voll und ganz zu, weitere 16 Prozent eher. Tendenziell nicht gedrängt sehen sich 42 Prozent. Befragt wurden vom 3. bis 5. August 1.009 Menschen ab 18 Jahren.^[Süddeutsche Zeitung – Verbraucherschützer warnen vor Tricks bei Trinkgeld per Karte – url: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kartenzahlung-verbraucherschutz-trinkgeld-kartenzahlen-tricks-li.3535811]
Freiwilligkeit steht im Zentrum
„Viele Menschen geben gerne und freiwillig Trinkgeld, um guten Service wertzuschätzen“, betonte Pop. Problematisch werde es, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher zum Trinkgeldgeben gedrängt oder sogar manipuliert würden: „Niemand ist verpflichtet, Trinkgeld zu geben.“^[Süddeutsche Zeitung – Verbraucherschützer warnen vor Tricks bei Trinkgeld per Karte – url: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kartenzahlung-verbraucherschutz-trinkgeld-kartenzahlen-tricks-li.3535811] Gastronomen können die vorgeschlagenen Prozentsätze auf ihren Kartenlesegeräten in der Regel selbst festlegen.^[Süddeutsche Zeitung – Verbraucherschützer warnen vor Tricks bei Trinkgeld per Karte – url: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-kartenzahlung-verbraucherschutz-trinkgeld-kartenzahlen-tricks-li.3535811]
Ob die Forderung nach einem EU-weiten Verbot manipulativer Trinkgeld-Abfragen Gehör findet, ist offen – für die Verbraucherzentralen ist der Fall klar: Wer Trinkgeld gibt, soll es freiwillig tun – nicht aus Design-Zwang.
Quellen: Handelsblatt – Tricks bei Trinkgeld per Karte · Süddeutsche Zeitung – Verbraucherschützer warnen vor Tricks