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Bundesanwaltschaft · Cyberkriminalität

Im Chat zu Mord angestiftet: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen die „COM-Szene“

Ein junger Mann soll Jugendliche in Russland, den USA und Schweden online zu schwersten Straftaten angestiftet haben – von Messerangriffen bis zu Brandstiftungen. Die Bundesanwaltschaft ordnet die Gruppierungen der sogenannten COM-Szene zu.

iureka Team ·

Foto: Sora Shimazaki / Pexels
Foto: Sora Shimazaki / Pexels

Karlsruhe, 20. August 2026 – Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen einen jungen Mann, der Jugendliche online zu schwersten Straftaten angestiftet haben soll. Über Chats habe er einen minderjährigen Jungen in Russland dazu gebracht, an einer Schule ein Kind mit einem Messer zu töten – und Jugendliche in den USA und in Schweden dazu, Fahrzeuge in Brand zu setzen. Der Beschuldigte soll als Jugendlicher und Heranwachsender Mitglied in einer terroristischen und einer kriminellen Vereinigung gewesen sein, jeweils als mutmaßlicher Rädelsführer.^[F.A.Z. – Im Chat angestiftet: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Rechtsextremisten und Onlinesadisten – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundesanwaltschaft-ermittelt-gegen-rechtsextremisten-und-onlinesadisten-201144718.html] Der Mann wurde am 17. März festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft; die Karlsruher Behörde hat das Verfahren von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz übernommen und will den Beschuldigten einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorführen.^[Süddeutsche Zeitung – Im Chat zu Mord angestiftet: Ermittlungen gegen jungen Mann – url: https://www.sueddeutsche.de/panorama/bundesanwaltschaft-chat-mord-ermittlungen-li.3534470]

Eine lange Liste von Vorwürfen

Die Vorwürfe wiegen schwer: Spätestens Ende März 2024 soll der Beschuldigte eine von rechtsextremer Ideologie geprägte Vereinigung gegründet haben, in der besonders schwerwiegende Straftaten wie Mord oder Totschlag begangen oder dazu aufgerufen werden sollten, „um den Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung herbeizuführen“. Bild- und Videomaterial solcher Taten werde in Chatgruppen bewusst geteilt, „um Werbung für die Vereinigung sowie für künftige Anschläge zu machen“.^[F.A.Z. – Im Chat angestiftet: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Rechtsextremisten und Onlinesadisten – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundesanwaltschaft-ermittelt-gegen-rechtsextremisten-und-onlinesadisten-201144718.html]

Ermittelt wird zudem wegen Anstiftung zu Mord und mehrfacher Brandstiftung, Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch eines Kindes, bandenmäßiger Verbreitung kinderpornografischer Inhalte, öffentlicher Aufforderung zu Straftaten, Billigung von Straftaten und Gewaltdarstellung. Konkret nennt die Behörde Taten in Russland, den USA und der Schweiz; außerdem soll der Beschuldigte in einer Chatgruppe zur Tötung eines US-Bürgers aufgerufen haben. „Schließlich besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte über das Internet mit einem Kind im europäischen Ausland in Kontakt getreten ist und dieses dazu veranlasst hat, mit einem Messer sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen“, heißt es in der Mitteilung. Von einigen Taten habe der Beschuldigte Videozusammenschnitte im Netz verbreitet.^[F.A.Z. – Im Chat angestiftet: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Rechtsextremisten und Onlinesadisten – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundesanwaltschaft-ermittelt-gegen-rechtsextremisten-und-onlinesadisten-201144718.html]

Die „COM-Szene“: Manipulation bis zum Suizid

Die Bundesanwaltschaft rechnet die beiden Gruppierungen der sogenannten COM-Szene zu. Die Szene habe sich vor einigen Jahren im Internet entwickelt: „Ihre Mitglieder suchen zielgerichtet in sozialen Medien oder auf Gaming-Plattformen etwa nach sehr jungen, meist weiblichen Personen, die durch Manipulation und Zwang zu erniedrigenden Handlungen und/oder Selbstverletzungen bis hin zum Suizid gedrängt werden sollen.“^[F.A.Z. – Im Chat angestiftet: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Rechtsextremisten und Onlinesadisten – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundesanwaltschaft-ermittelt-gegen-rechtsextremisten-und-onlinesadisten-201144718.html] Die „COM-Szene“ gilt als Sammelbegriff für Netzwerke, die Gewalt gegen Minderjährige organisieren und verherrlichen; die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen die Online-Gruppierungen reihen sich in die Strafverfolgung dieser Netzwerke ein.^[Handelsblatt – „COM-Szene“: Im Chat zu Mord angestiftet – Bundesanwaltschaft ermittelt – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/com-szene-im-chat-zu-mord-angestiftet-bundesanwaltschaft-ermittelt/100248635.html]

Der Fall erinnert an ein laufendes Verfahren vor dem Landgericht Hamburg: Der dort unter seinem Foren-Namen „White Tiger“ bekannt gewordene mutmaßliche Pädokriminelle soll laut Anklage mehr als 200 Straftaten über das Internet begangen haben und Kopf des internationalen Sadisten-Netzwerks „764“ gewesen sein – er soll gezielt psychisch labile Kinder und Jugendliche gesucht haben, um sie zu missbrauchen.^[F.A.Z. – Im Chat angestiftet: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Rechtsextremisten und Onlinesadisten – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundesanwaltschaft-ermittelt-gegen-rechtsextremisten-und-onlinesadisten-201144718.html]

Quellen: F.A.Z. – Im Chat angestiftet: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Rechtsextremisten und Onlinesadisten · Süddeutsche Zeitung – Im Chat zu Mord angestiftet: Ermittlungen gegen jungen Mann · Handelsblatt – „COM-Szene“: Im Chat zu Mord angestiftet – Bundesanwaltschaft ermittelt