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Nord-Stream · Bundesanwaltschaft

Nord-Stream-Ermittlungen: Mutmaßlicher Mittäter in Kroatien festgenommen

Vier Jahre nach der Sprengung der Ostseepipelines hat die Bundesanwaltschaft einen zweiten Verdächtigen fassen lassen: Der ukrainische Taucher Wolodymyr Z. wurde in Kroatien festgenommen – nachdem Polen seine Auslieferung 2025 abgelehnt hatte.

iureka Team ·

Foto: David McElwee / Pexels
Foto: David McElwee / Pexels

Karlsruhe/Pula, 19. August 2026 – Vier Jahre nach den Anschlägen auf die Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 hat die Bundesanwaltschaft einen zweiten Verdächtigen fassen lassen: Der ukrainische Taucher Wolodymyr Z. wurde auf Veranlassung der Karlsruher Behörde in Kroatien von dortigen Beamten festgenommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor.^[Handelsblatt – Nord-Stream-Anschläge: Verdächtiger in Kroatien festgenommen – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesanwaltschaft-nord-stream-anschlaege-verdaechtiger-in-kroatien-festgenommen/100248294.html]

Es ist nicht die erste Festnahme in dem Verfahren: Bereits im Herbst 2025 war der Mann in Polen gefasst worden. Die polnische Justiz lehnte den deutschen Auslieferungsantrag damals jedoch ab, der Ukrainer kam wieder frei.^[Handelsblatt – Nord-Stream-Anschläge: Verdächtiger in Kroatien festgenommen – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesanwaltschaft-nord-stream-anschlaege-verdaechtiger-in-kroatien-festgenommen/100248294.html] Nach SPIEGEL-Informationen war Wolodymyr Z. den deutschen Ermittlern zuvor bereits zweimal entkommen, ehe er ihnen nun ins Netz ging.^[Der Spiegel – Anschlag auf Nord-Stream-Pipelines: Ermittler nehmen mutmaßlichen Mittäter fest – url: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/anschlag-auf-nordstream-pipelines-ermittler-nehmen-mutmasslichen-mittaeter-fest-a-84394a82-6a03-4f94-b9a8-add2a35def9e#ref=rss]

Der Taucher von der Ostsee

Laut Bundesanwaltschaft soll der Festgenommene als ausgebildeter Taucher an den Tauchgängen beteiligt gewesen sein, bei denen die Sprengsätze an den Gasleitungen platziert wurden. Für den Transport nutzten er und seine Mittäter demzufolge eine Segeljacht, die aus Rostock startete – angemietet mit Hilfe gefälschter Ausweispapiere über Mittelsmänner bei einem deutschen Unternehmen.^[Handelsblatt – Nord-Stream-Anschläge: Verdächtiger in Kroatien festgenommen – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesanwaltschaft-nord-stream-anschlaege-verdaechtiger-in-kroatien-festgenommen/100248294.html]

Mehrere Sprengungen in der Nähe der dänischen Ostseeinsel Bornholm hatten die beiden Pipelines im September 2022 so schwer beschädigt, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Durch Nord Stream 1 floss zuvor russisches Erdgas nach Deutschland; Nord Stream 2 war noch nicht in Betrieb.^[Handelsblatt – Nord-Stream-Anschläge: Verdächtiger in Kroatien festgenommen – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesanwaltschaft-nord-stream-anschlaege-verdaechtiger-in-kroatien-festgenommen/100248294.html]

Eine jahrelange Jagd

Der Fall hat eine lange Vorgeschichte: Der Generalbundesanwalt hatte bereits rund zwei Jahre nach den Anschlägen einen ersten Haftbefehl gegen Wolodymyr Z. erwirkt, der sich damals in Polen aufhielt. Nach Recherchen von ARD, Süddeutscher Zeitung und Die Zeit hätten die polnischen Behörden ihn nach den Regeln des Europäischen Haftbefehls binnen 60 Tagen festnehmen müssen – die Frist lief jedoch ab, und der Mann konnte mit offizieller Hilfe aus der Ukraine über die Grenze in sein Heimatland flüchten.^[tagesschau – Erster Haftbefehl wegen Nord-Stream-Anschlägen – url: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/nordstream-172.html]

Anklage gegen mutmaßlichen Komplizen in Hamburg

Unterdessen kommt der erste Prozess in der Sache in Gang: Bereits am 30. Juni 2026 hat die Bundesanwaltschaft Anklage vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg gegen den ukrainischen Staatsangehörigen Serhii K. erhoben. Er ist hinreichend verdächtig, als Mittäter eines Kriegsverbrechens des Angriffs gegen zivile Objekte (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 VStGB) sowie des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion (§ 308 Abs. 1 StGB), der Zerstörung von Bauwerken (§ 305 Abs. 1 StGB) und der Störung öffentlicher Betriebe (§ 316b Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 3 StGB).^[Der Generalbundesanwalt – Anklage wegen der Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines erhoben – url: https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/Pressemitteilung-vom-02-07-2026.html] K. soll die Gruppe koordiniert haben, die im September 2022 nahe Bornholm die Sprengsätze anbrachte; er war im August in der italienischen Provinz Rimini festgenommen worden, ein italienisches Gericht ordnete inzwischen seine Auslieferung an.^[tagesschau – Italienisches Gericht ordnet Auslieferung von Nord-Stream-Verdächtigem an – url: https://www.tagesschau.de/inland/nord-stream-verdaechtiger-auslieferung-100.html]

Die Ermittler hatten zunächst gehofft, dem in Hamburg angeklagten K. einen zweiten Prozess an die Seite zu stellen. Der nun in Kroatien gefasste Wolodymyr Z. gilt den Ermittlungen zufolge als Taucher, der an der Anbringung von insgesamt mindestens vier Sprengsätzen beteiligt war.^[tagesschau – Erste Anklage gegen mutmaßlichen Nord-Stream-Saboteur – url: https://www.tagesschau.de/investigativ/anklage-nordstream-ukraine-russland-100.html]

Ob die Festnahme in Kroatien den Durchbruch bringt, hängt nun auch von der Frage der Auslieferung ab – einer Frage, an der der erste Zugriff in Polen gescheitert war. Die Ermittlungen zu einem der größten Sabotageakte in Europa sind damit noch nicht abgeschlossen.

Quellen: Handelsblatt – Verdächtiger in Kroatien festgenommen · Der Spiegel – Mutmaßlicher Mittäter festgenommen · tagesschau – Erster Haftbefehl · Generalbundesanwalt – Anklage erhoben · tagesschau – Auslieferung angeordnet