iureka Blog

Datenschutz · DSGVO

825 Millionen Euro: Niederlande verhängen Rekordbuße gegen Uber wegen DSGVO-Verstößen

Uber sperrte jahrelang automatisiert Konten von Fahrern – ohne sie zu informieren. Die niederländische Datenschutzbehörde AP verhängt nun eine Rekordbuße von 825 Millionen Euro. Der Konzern kündigt Berufung an.

iureka Team ·

Foto: Anna Shvets / Pexels
Foto: Anna Shvets / Pexels

Berlin, 21. August 2026 – Es ist eine der höchsten Geldbußen, die jemals auf der Grundlage des europäischen Datenschutzrechts verhängt wurde: Die niederländische Datenschutzbehörde (Autoriteit Persoonsgegevens, AP) hat gegen den US-Fahrdienstvermittler Uber eine Rekordstrafe von 825 Millionen Euro verhängt.^[Der Spiegel – Uber soll 825 Millionen Euro Strafe zahlen – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/uber-soll-wegen-verstoss-gegen-datenschutzregeln-in-den-niederlanden-825-millionen-euro-strafe-zahlen-a-bd90c794-7bf9-4e75-812c-89ce80dffe38]

Automatisierte Kontosperrungen ohne Information

Nach Angaben der Behörde hat Uber zwischen 2020 und 2022 Konten von Fahrern automatisiert gesperrt, ohne die Betroffenen darüber zu informieren. Nach europäischen Datenschutzregeln dürfen derart einschneidende Entscheidungen nicht vollständig automatisiert erfolgen, teilte die AP mit. Zudem habe Uber das Recht der Fahrer auf Auskunft verletzt. Für die Aufsichtsbehörde handelt es sich um einen schwerwiegenden Fall, was die außergewöhnlich hohe Geldbuße rechtfertige.^[Der Spiegel – Uber soll 825 Millionen Euro Strafe zahlen – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/uber-soll-wegen-verstoss-gegen-datenschutzregeln-in-den-niederlanden-825-millionen-euro-strafe-zahlen-a-bd90c794-7bf9-4e75-812c-89ce80dffe38]

Der One-Stop-Shop: Warum die Niederlande entscheiden

Hintergrund des Verfahrens ist die Architektur des europäischen Datenschutzrechts: Frankreich hatte den Fall zunächst angestrengt. Da Uber seinen europäischen Sitz in den Niederlanden hat, entscheidet die dortige Aufsichtsbehörde nach dem sogenannten One-Stop-Shop-Prinzip als federführende Behörde für den gesamten EU-Raum.^[Der Spiegel – Uber soll 825 Millionen Euro Strafe zahlen – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/uber-soll-wegen-verstoss-gegen-datenschutzregeln-in-den-niederlanden-825-millionen-euro-strafe-zahlen-a-bd90c794-7bf9-4e75-812c-89ce80dffe38]

Uber wies die Entscheidung nach Medienberichten zurück und kündigte an, Berufung einzulegen. Ob die Rekordbuße Bestand haben wird, ist damit offen – die Erfahrung zeigt, dass selbst höchste Datenschutzstrafen vor Gericht kippen können. Nach Angaben der niederländischen Tageszeitung „De Telegraaf“ war bislang nur eine Geldstrafe höher: 2023 verhängte die irische Datenschutzbehörde gegen den Internetkonzern Meta eine Buße von 1,2 Milliarden Euro wegen der unrechtmäßigen Übermittlung personenbezogener Daten europäischer Facebook-Nutzer in die USA – auch dagegen legte Meta Berufung ein.^[Der Spiegel – Uber soll 825 Millionen Euro Strafe zahlen – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/uber-soll-wegen-verstoss-gegen-datenschutzregeln-in-den-niederlanden-825-millionen-euro-strafe-zahlen-a-bd90c794-7bf9-4e75-812c-89ce80dffe38]

Europa als Baustelle: Zwischen Rekordstrafen und Expansion

Das Bußgeld trifft Uber in einer Phase aggressiver Expansion in Europa: Erst im Juli kündigte der Konzern nach monatelangen Auseinandersetzungen an, den deutschen Konkurrenten Delivery Hero für fast 13 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Kurz zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, seine Fahrer testweise ersetzen zu wollen – in München plant der Fahrdienstvermittler dafür einen Versuch mit selbstfahrenden Robotaxis.^[Der Spiegel – Uber soll 825 Millionen Euro Strafe zahlen – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/uber-soll-wegen-verstoss-gegen-datenschutzregeln-in-den-niederlanden-825-millionen-euro-strafe-zahlen-a-bd90c794-7bf9-4e75-812c-89ce80dffe38]

Ein Signal für die Plattformökonomie

Der Fall dürfte über Uber hinaus wirken: Er zeigt, dass Aufsichtsbehörden die Grenzen automatisierter Entscheidungen ernst nehmen und Plattformbetreiber, die ihre Nutzer mit Algorithmen „verwalten“, mit empfindlichen Sanktionen rechnen müssen. Zugleich steht die Durchsetzung des europäischen Datenschutzrechts weiter auf dem Prüfstand – nicht nur, weil Konzerne gegen Bußgelder klagen, sondern auch, weil die Zuständigkeitsverteilung zwischen den nationalen Behörden immer wieder für Diskussionen sorgt. Wie hoch die Hürden für Rekordstrafen sind, zeigt ein Blick auf die jüngste Vergangenheit: Erst kürzlich wurde Google wegen eines Verstoßes gegen den Digital Markets Act zu einer EU-Rekordstrafe von 890 Millionen Euro verurteilt.^[Der Spiegel – Uber soll 825 Millionen Euro Strafe zahlen – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/uber-soll-wegen-verstoss-gegen-datenschutzregeln-in-den-niederlanden-825-millionen-euro-strafe-zahlen-a-bd90c794-7bf9-4e75-812c-89ce80dffe38]

Für die betroffenen Fahrer bleibt die Frage offen, ob die Sperrungen ihrer Konten rückgängig gemacht und sie für erlittene Nachteile entschädigt werden. Die Berufung von Uber wird zeigen, wie belastbar die Begründung der niederländischen Behörde vor Gericht ist – und ob 825 Millionen Euro tatsächlich Bestand haben.

Quellen: Der Spiegel – Uber soll 825 Millionen Euro Strafe zahlen