Cybersicherheit · Berlin
„Kein Weckruf, sondern eine Kampfansage“: Der Cyberangriff auf Berlin und die digitale Souveränität
Hacker haben rund 1,4 Millionen Datensätze aus der Berliner Verwaltung im Darknet veröffentlicht. Der Fall zeigt gravierende Schwachstellen – technisch wie rechtlich. Das BSI warnt vor Hack-and-Leak-Operationen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus.
Berlin, 12. September 2026 – Der Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung beschäftigt die Hauptstadt weiter. Nach einem erfolglosen Erpressungsversuch hat die Hackergruppe Rhysida rund 1,4 Millionen Datensätze im Darknet veröffentlicht.^[DW – Cyber-Angriff in Berlin: 1,4 Millionen Daten nun im Darknet – url: https://www.dw.com/de/cyber-angriff-in-berlin-14-millionen-daten-nun-im-darknet/a-79211957]^[tagesschau.de – Cyberangriff auf Berliner Landesnetz: Daten im Darknet veröffentlicht – BSI warnt vor Risiken – url: https://www.tagesschau.de/inland/bsi-hackerangriff-berlin-verwaltung-100.html] Die Gruppe hatte 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro – gefordert. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte: „Das Land Berlin wird sich nicht erpressen lassen.“ Daraufhin wurden die Daten öffentlich.^[DW – Cyber-Angriff in Berlin: 1,4 Millionen Daten nun im Darknet – url: https://www.dw.com/de/cyber-angriff-in-berlin-14-millionen-daten-nun-im-darknet/a-79211957]
Die F.A.Z. ordnet den Vorgang als Zäsur ein: „Der Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung ist kein Weckruf gewesen, er ist in der Hauptstadt der größten Volkswirtschaft Europas der bislang massivste Angriff gewesen – und der hat gesessen.“^[F.A.Z. – Cybersicherheit: Das war kein Weckruf, sondern eine Kampfansage – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hacker-gegen-berlin-ein-angriff-auf-die-souveraenitaet-201214855.html]
1,4 Millionen Datensätze im Darknet
Unter den veröffentlichten Dateien befinden sich vertrauliche Personalakten, Gehaltsabrechnungen, eingescannte Ausweispapiere, Disziplinarverfahren sowie sensible Pläne zum Zivilschutz und zu Notstromanlagen – etwa für Krankenhäuser, Tanklager und Rüstungsbetriebe. Auch eine Schwachstellenanalyse der Berliner Wasserbetriebe soll darunter sein.^[Deutschlandfunk – Hackerangriff Berlin: Mängel und Lösungen bei der IT-Sicherheit – url: https://www.deutschlandfunk.de/cybersicherheit-deutschland-hackerangriff-cyberattacke-berlin-100.html] Nach Angaben der ZEIT veröffentlichte Rhysida nach der verweigerten Lösegeldzahlung ein 5,8 Terabyte großes Datenpaket mit Zugangsdaten, Passwörtern, Bußgeldvorgängen und Analysen zur Trinkwasserversorgung; mehrere Behörden wurden zeitweise vom Landesnetz getrennt.^[DIE ZEIT – Hackerangriff auf Berliner Verwaltung: BSI warnt vor Wahlbeeinflussung – url: https://www.zeit.de/digital/2026-09/hackerangriff-berliner-verwaltung-rhysida-bsi-datenleck-gxe]
Der Angriff wurde im Rahmen forensischer Untersuchungen festgestellt; die betroffenen Verwaltungen wurden aus Sicherheitsgründen vom Landesnetz abgetrennt. LKA, Staatsanwaltschaft Berlin und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurden eingeschaltet.^[Berlin.de – Hackerangriff auf Landesnetz: Arbeit mit Hochdruck an Lösungen – url: https://www.berlin.de/aktuelles/10581479-958090-hackerangriff-auf-landesnetz-arbeit-mit-.html] Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger teilte mit, die Durchführung der Wahlen am 20. September 2026 sei durch den Angriff nicht gefährdet.^[Berlin.de – Hackerangriff auf Landesnetz: Arbeit mit Hochdruck an Lösungen – url: https://www.berlin.de/aktuelles/10581479-958090-hackerangriff-auf-landesnetz-arbeit-mit-.html]
Warum die Berliner Verwaltung verwundbar ist
Die F.A.Z. sieht die Ursachen nicht allein in schwachen Passwörtern. Das Landesnetz sei strukturell zwar zentral angelegt, werde aber dezentral genutzt, weil viele Bezirke eigene IT-Systeme pflegten. Der Angriff zielte auf die große Hauptverwaltung samt Senatsverwaltungen – dort fanden die Hacker Schwachstellen.^[F.A.Z. – Cybersicherheit: Das war kein Weckruf, sondern eine Kampfansage – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hacker-gegen-berlin-ein-angriff-auf-die-souveraenitaet-201214855.html]
Dazu komme ein „Rechts-Wirrwarr“: Die Landesverwaltung werde zwar grundsätzlich von den EU-Richtlinien zur Netzwerk- und Informationssicherheit erfasst, sei aber „von dem in nationales Recht gegossenen, verbindlichen bundesgesetzlichen Pflichtenkatalog aufgrund der föderalen Verfasstheit Deutschlands zumindest in Teilen ausgenommen“.^[F.A.Z. – Cybersicherheit: Das war kein Weckruf, sondern eine Kampfansage – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hacker-gegen-berlin-ein-angriff-auf-die-souveraenitaet-201214855.html]
„Es reicht ein Laptop“
Die F.A.Z. verknüpft den Fall mit der Debatte über digitale Souveränität: „Es bedarf offenbar nur weniger Mittel, um Deutschland ernsthaft anzugreifen – es reicht ein Laptop.“ Deutschland könne „aus eigenen Kräften und Mitteln im virtuellen Raum schon lange nicht mehr selbstbestimmt handeln“; es fehlten eigene IT-Großunternehmen, Spitzentechnologien und kontrollierte Plattformen. Kein anderes EU-Land stehe so oft im Fadenkreuz der Hacker.^[F.A.Z. – Cybersicherheit: Das war kein Weckruf, sondern eine Kampfansage – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hacker-gegen-berlin-ein-angriff-auf-die-souveraenitaet-201214855.html]
Der Deutschlandfunk berichtet zugleich von einer gebremsten strategischen Stärkung: Die Bundesregierung habe im September 2026 den Plan aufgegeben, das BSI über eine Grundgesetzänderung zu einer echten nationalen Zentralstelle auszubauen – für den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Konstantin von Notz eine erhebliche Einschränkung der Reaktionsmöglichkeiten.^[Deutschlandfunk – Hackerangriff Berlin: Mängel und Lösungen bei der IT-Sicherheit – url: https://www.deutschlandfunk.de/cybersicherheit-deutschland-hackerangriff-cyberattacke-berlin-100.html]
Warnung vor Hack-and-Leak vor der Wahl
Das BSI warnt vor weiteren Risiken. „Es bestünden nun verschiedene Risiken für die Betroffenen und letztlich für die Gesellschaft“, sagte ein Sprecher.^[DIE ZEIT – Hackerangriff auf Berliner Verwaltung: BSI warnt vor Wahlbeeinflussung – url: https://www.zeit.de/digital/2026-09/hackerangriff-berliner-verwaltung-rhysida-bsi-datenleck-gxe] Vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September sieht die Behörde erhöhte Gefahren durch sogenannte Hack-and-Leak-Operationen und gezielte Phishing-Angriffe, mit denen Vertrauen in Kandidaten und Institutionen beschädigt und weitere Daten abgegriffen werden könnten.^[DIE ZEIT – Hackerangriff auf Berliner Verwaltung: BSI warnt vor Wahlbeeinflussung – url: https://www.zeit.de/digital/2026-09/hackerangriff-berliner-verwaltung-rhysida-bsi-datenleck-gxe]
Die F.A.Z. verweist auf erste Reaktionen der Politik: Im Mai legte die Bundesregierung den Entwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Cybersicherheit vor; bis Ende des Jahres soll das Bundesinnenministerium einen Plan für ein nationales Erkennungs- und Cyberabwehrsystem vorlegen, und das BSI soll zur Bund-Länder-Plattform für Cybersicherheit ausgebaut werden.^[F.A.Z. – Cybersicherheit: Das war kein Weckruf, sondern eine Kampfansage – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hacker-gegen-berlin-ein-angriff-auf-die-souveraenitaet-201214855.html] Ob das reicht, wird auch davon abhängen, wie schnell die Verwaltung ihre eigene IT konsolidiert.