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Desinformation · Fake News

Fake-SZ, KI-Videos und „Matrjoschka“: Desinformationskampagnen vor den Landtagswahlen

Eine gefälschte Webseite der Süddeutschen Zeitung, KI-generierte Videos mit Medienlogos: Vor den Landtagswahlen im September nimmt die russische Desinformationskampagne „Matrjoschka“ Fahrt auf. So erkennt man die Fälschungen.

iureka Team ·

Foto: Joshua Miranda / Pexels
Foto: Joshua Miranda / Pexels

Berlin, 21. August 2026 – Die „Süddeutsche Zeitung“ hat Ungeheuerlichkeiten über einen ostdeutschen Politiker enthüllt? Stimmt nicht! In diesen Wochen kursiert eine gefälschte Internetseite, die dem Online-Auftritt der SZ täuschend ähnlich sieht – Schrifttyp, Bildsprache, Logos, sogar der Name der vermeintlichen Autorin der angeblichen „Enthüllung“: Alles scheint echt zu sein. Tatsächlich ist es das Werk einer Desinformationskampagne, die vor den Landtagswahlen im Herbst Konjunktur hat.^[Süddeutsche Zeitung – Wie man Fälschungen erkennt – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/desinformation-landtagswahl-sachsen-anhalt-sven-schulze-russland-fake-news-doppelgaenger-matrjoschka-li.3535102]

Warum gerade jetzt?

Der zeitliche Zusammenhang ist naheliegend: Die Kampagne läuft parallel zu den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6. September), Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (beide am 20. September) sowie den Kommunalwahlen in Niedersachsen (13. September).^[Süddeutsche Zeitung – Wie man Fälschungen erkennt – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/desinformation-landtagswahl-sachsen-anhalt-sven-schulze-russland-fake-news-doppelgaenger-matrjoschka-li.3535102] Bereits Anfang August hatte das Auswärtige Amt die unter dem Namen „Matrjoschka“ bekannte Desinformationskampagne als „ernst zu nehmend“ bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt wurden vor allem kurze Videos in sozialen Medien veröffentlicht, oft auf Englisch und mit den Logos seriöser deutscher Medien versehen. Darin wurden Wahlkandidaten mit Vorwürfen der unterschiedlichsten Art überzogen – von Glücksspiel über sexuellen Missbrauch und Drogensucht bis zu schweren Kapitalverbrechen. Videos, Logos und Inhalt: alles Fälschungen und mutmaßlich mit KI erstellt.^[Süddeutsche Zeitung – Wie man Fälschungen erkennt – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/desinformation-landtagswahl-sachsen-anhalt-sven-schulze-russland-fake-news-doppelgaenger-matrjoschka-li.3535102]

Was der Verfassungsschutz sagt

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beschrieb die Ziele der Kampagne in einer Mitteilung vom 12. August: Sie habe eine Polarisierung zwischen Ost- und Westdeutschland zum Ziel, wolle Stimmung gegen die Bundesregierung machen und Landes- und Kommunalpolitiker diskreditieren. Die Beiträge mit den Bildmarken bekannter Medien sollten emotionalisieren – etwa wenn unter dem Markennamen eines großen Mediums „berichtet“ würde, der Westen hasse den Osten und Deutschland sei nahe an einem Bürgerkrieg. Lokal- und Kommunalpolitiker aus Parteien, „deren Positionen nicht im Sinne der strategischen Interessen der Russischen Föderation sind“, würden gezielt als „unqualifiziert, unfähig und korrupt“ dargestellt. Was auffällt: Politikerinnen und Politiker von AfD und BSW sind nicht unter den auf diese Weise diffamierten Personen.^[Süddeutsche Zeitung – Wie man Fälschungen erkennt – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/desinformation-landtagswahl-sachsen-anhalt-sven-schulze-russland-fake-news-doppelgaenger-matrjoschka-li.3535102]

Im Visier: Ministerpräsident Sven Schulze

Im Mittelpunkt der aktuellen Kampagne im Namen der SZ steht der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Sven Schulze (CDU). Text und Video simulieren eine angebliche Enthüllungsgeschichte, die strafbares Verhalten des Politikers belegen soll – erfunden. Schulze sagte gegenüber der „Volksstimme“: „Das sind bewusst gesteuerte Fake News, die nicht nur mich, sondern auch andere Politiker betreffen – mit dem Ziel, die Wahl im Land zu beeinflussen.“ Schon einmal seien Falschmeldungen über seine Frau verbreitet worden.^[Süddeutsche Zeitung – Wie man Fälschungen erkennt – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/desinformation-landtagswahl-sachsen-anhalt-sven-schulze-russland-fake-news-doppelgaenger-matrjoschka-li.3535102]

Betroffen sind längst auch andere Medien: Die Deutsche Welle analysierte selbst ein Video, das unter ihrem Namen die falsche Information über einen bevorstehenden Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz transportierte, und der MDR berichtete ausführlich über die Nutzung seines Senderlogos.^[Süddeutsche Zeitung – Wie man Fälschungen erkennt – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/desinformation-landtagswahl-sachsen-anhalt-sven-schulze-russland-fake-news-doppelgaenger-matrjoschka-li.3535102]

So erkennt man die Fälschungen

Die gute Nachricht: Die Fälschungen sind entlarvbar. Entscheidend ist der Blick auf die URL: Artikel der Süddeutschen Zeitung erscheinen ausschließlich unter „sueddeutsche.de“. Der gefälschte Artikel über Schulze erschien auf einer Domain, die sich nur in wenigen Buchstaben davon unterscheidet. Wer über soziale Netzwerke auf einen vermeintlichen Artikel stößt, sollte zudem immer nach der Originalquelle suchen – also etwa auf der Website oder in der App des Mediums nachsehen, ob der Artikel dort wirklich zu finden ist. Eine Suche nach dem Inhalt zeigt, ob auch andere Medien über den angeblichen Skandal berichten. Findet man die Nachricht nirgends sonst, ist das ein Warnsignal. Im Zweifel sollte man den Text nicht weiterverbreiten.^[Süddeutsche Zeitung – Wie man Fälschungen erkennt – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/desinformation-landtagswahl-sachsen-anhalt-sven-schulze-russland-fake-news-doppelgaenger-matrjoschka-li.3535102]

Was die SZ unternimmt

Die Süddeutsche Zeitung hat Strafantrag gegen unbekannt gestellt – wegen Markenverletzung, Verleumdung, übler Nachrede und aller sonstiger in Betracht kommender Delikte. Bei der Plattform X wurde der Post mit dem Link zur Fake-Seite gemeldet; der Löschungsantrag wurde abgelehnt, dagegen hat die SZ Einspruch erhoben. Bei den Suchmaschinen Microsoft und Google meldete sie die Seite als Fake – mit dem möglichen Effekt, dass sie mit einem Hinweis versehen wird. Zudem wandte sich die SZ an den Domain-Registrar. Mittlerweile ist die Domain blockiert – die Fake-Seite im Namen der SZ ist nicht mehr online.^[Süddeutsche Zeitung – Wie man Fälschungen erkennt – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/desinformation-landtagswahl-sachsen-anhalt-sven-schulze-russland-fake-news-doppelgaenger-matrjoschka-li.3535102]

Die Kampagne dürfte bis zu den Wahlen im September weiterlaufen – mit immer neuen Fälschungen, die sich durch KI immer schwerer erkennen lassen. Umso wichtiger wird die Grundregel: Prüfen, wer hinter einer vermeintlichen Enthüllung steckt – und lieber einmal zu viel nachsehen, als eine Fälschung weiterzuleiten.

Quellen: Süddeutsche Zeitung – Sieht aus wie die SZ, ist aber nicht die SZ: Wie man Fälschungen erkennt