Iris2 · Raumfahrt
Iris²: Europas Antwort auf Starlink – Start-up sticht Airbus aus
Bei der EU-Satellitenkonstellation Iris² setzt sich das belgische Start-up Aerospacelab gegen den Airbus-Konzern durch: Es baut bis zu 264 der 348 Satelliten. Ein Rückschlag für die etablierte Industrie – und ein Signal für Europas Raumfahrt.
Düsseldorf, 17. August 2026 – Bei Europas Antwort auf Starlink setzt die EU auf einen Überraschungssieger: Das belgische Start-up Aerospacelab baut bis zu 264 der insgesamt 348 Satelliten der Satellitenkonstellation Iris². Für den Airbus-Konzern ist das ein Rückschlag – für die europäische Raumfahrt womöglich eine Zeitenwende.^[Handelsblatt – EU-Satellitenkonstellation: Überraschung bei Iris2: Start-up baut Großteil der Satelliten – Rückschlag für Airbus – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/raumfahrt-start-up-baut-grossteil-der-iris2-satelliten/100246494.html]
Ein Start-up als Schlüsselpartner
Seit fast sechs Jahren arbeitet die EU-Kommission an dem ehrgeizigen Projekt: Iris² soll Europa von Starlink, dem Satellitennetzwerk des SpaceX-Gründers Elon Musk, unabhängig machen und ein auch für Militär oder Geheimdienste sicheres Internet aus dem All bieten.^[Handelsblatt – EU-Satellitenkonstellation: Überraschung bei Iris2 – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/raumfahrt-start-up-baut-grossteil-der-iris2-satelliten/100246494.html] Nun treten die Planungen in eine konkrete Phase: Für das erst 2018 gegründete Unternehmen Aerospacelab ist es eine Herausforderung, so viele technisch komplexe Satelliten für die niedrige Erdumlaufbahn in kurzer Zeit herzustellen – der Auftragswert liegt bei mindestens 1,8 Milliarden Euro. Iris² wird damit das erste große Raumfahrtprojekt in Europa, das in einem Schlüsselbereich einem Start-up anvertraut wird. Das gesamte Projekt kostet 15,6 Milliarden Euro – fast die Hälfte mehr, als noch vor zwei Jahren veranschlagt wurde.^[Handelsblatt – Überraschung bei Iris2 – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/raumfahrt-start-up-baut-grossteil-der-iris2-satelliten/100246494.html]
Vom Planungs- ins Umsetzungsstadium
Hintergrund der Neuordnung: Am 7. August unterzeichneten die EU-Kommission und das SpaceRISE-Konsortium ein Umsetzungsabkommen, das Iris² von der Planungsphase in die vollständige Ausrollung überführt. Die Konstellation wurde dabei auf 348 Satelliten erweitert: 330 in einer höheren niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) und 18 in mittlerer Umlaufbahn (MEO), dazu optionale Elemente für besondere Missionen. Die ersten Starts sind für 2029 vorgesehen.^[Europäische Kommission – European Union is accelerating and reinforcing IRIS² – url: https://defence-industry-space.ec.europa.eu/european-union-accelerating-and-reinforcing-iris2-2026-08-07_en]
Der Name steht für „Infrastruktur für Resilienz, Interkonnektivität und Sicherheit durch Satelliten“. Das System ist als Gegenstück zum US-Programm Starshield konzipiert und soll Regierungen, Verteidigungs- und Sicherheitsbehörden sowie im Krisenfall auch Rettungsdiensten abhörsichere Kommunikation liefern; zugleich ist Breitband-Internet für Unternehmen und Bürger geplant.^[Handelsblatt – Raumfahrt: Was kann Europas Starlink Iris2? – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/raumfahrt-welche-vorteile-hat-europas-starlink-iris2/100247300.html ;; IRIS² – Wikipedia – url: https://en.wikipedia.org/wiki/IRIS%C2%B2]
Auch deutsche Firmen im Boot
Ganz ohne etablierte Industrie kommt das Projekt freilich nicht aus: Das SpaceRISE-Konsortium wird von den Satellitenbetreibern SES, Eutelsat und Hispasat angeführt, die französische Thales Alenia Space ist eingebunden. Und auch deutsche Unternehmen kommen zum Zug: Die OHB mit ihrer Tochter Antwerp Space ist nach Angaben des belgischen Nachrichtendienstes Belga an dem Projekt beteiligt.^[Belga – Walloon satellite manufacturer Aerospacelab participates in EU Iris2 communication project – url: https://belgashare.be/en/newsrooms/70/press-releases/35412 ;; Space Intel Report – Europe's Iris2 constellation adds 66 early-delivery satellites – url: https://www.spaceintelreport.com/europes-iris2-constellation-adds-66-early-delivery-satellites-to-launch-in-2029-to-mitigate-delay-in-full-performance-network]
„Dieses Ziel haben wir über viele Jahre angestrebt.“ — Benoît Deper, CEO von Aerospacelab
Der Erfolg des belgischen Newcomers dürfte die Karten in der europäischen Satellitenindustrie neu mischen: Wer künftig für die EU baut, entscheidet sich nicht mehr allein nach Größe und Historie – sondern nach Innovationskraft. Ob Iris² damit auch technisch hält, was Starlink verspricht, wird sich zeigen, wenn die ersten Satelliten 2029 ins All starten.
Quellen: Handelsblatt – Start-up baut Großteil der Satelliten · Handelsblatt – Was kann Europas Starlink Iris2? · Europäische Kommission – Accelerating and reinforcing IRIS² · Belga – Aerospacelab participates in Iris2 · IRIS² – Wikipedia · Space Intel Report – Early-delivery satellites