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Iris2 · Satelliten

Iris²: Wie die EU mit 348 Satelliten Europas Antwort auf Starlink bauen will

Die EU will mit der Satellitenkonstellation Iris² eine souveräne Alternative zu Elon Musks Starlink aufbauen. Nach dem Abschluss der Verhandlungen mit dem SpaceRISE-Konsortium rücken die ersten Starts in greifbare Nähe. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

iureka Team ·

Foto: Zelch Csaba / Pexels
Foto: Zelch Csaba / Pexels

Brüssel, 17. August 2026 – Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet SpaceX an der Idee, Internet aus dem All anzubieten. Der Vorteil: Satelliten können überall in der Welt eine schnelle Verbindung herstellen. Das Netzwerk Starlink ist heute mit einem aktuellen Quartalsumsatz von 4,3 Milliarden Dollar die finanziell wichtigste Säule des Raumfahrt- und KI-Unternehmens von Elon Musk.^[Handelsblatt – Raumfahrt: Was kann Europas Starlink Iris2? – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/raumfahrt-welche-vorteile-hat-europas-starlink-iris2-01/100247300.html] Jetzt will die EU mit Iris² eine Alternative aufbauen – die Abkürzung steht für „Infrastruktur für Resilienz, Interkonnektivität und Sicherheit durch Satelliten“, hoch zwei.^[Handelsblatt – Raumfahrt: Was kann Europas Starlink Iris2? – url: https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/raumfahrt-welche-vorteile-hat-europas-starlink-iris2-01/100247300.html]

Von der Planung zur Umsetzung

Am 7. August 2026 haben die Europäische Kommission und das SpaceRISE-Konsortium ein Umsetzungsabkommen geschlossen, das Iris² von der Planung in die vollständige Ausrollung überführt. Die Verhandlungen hatten im Januar 2026 begonnen.^[Europäische Kommission – European Union is accelerating and reinforcing IRIS² – url: https://defence-industry-space.ec.europa.eu/european-union-accelerating-and-reinforcing-iris2-2026-08-07_en] Die Konstellation wird auf 348 Satelliten erweitert: 330 Satelliten in höheren niedrigen Erdumlaufbahnen (LEO) und 18 in mittleren Erdumlaufbahnen (MEO), die in aufeinanderfolgenden Phasen gestartet werden. Der überarbeitete Zeitplan bringt die ersten Starts auf 2029 vor und ermöglicht die frühe Bereitstellung souveräner, sicherer und akkreditierter europäischer Konnektivitätsdienste.^[Europäische Kommission – European Union is accelerating and reinforcing IRIS² – url: https://defence-industry-space.ec.europa.eu/european-union-accelerating-and-reinforcing-iris2-2026-08-07_en]

Ein Milliardenprojekt für die strategische Autonomie

Beim Vertragsabschluss im Dezember 2024 wurde die Gesamtkosten auf 10,5 Milliarden Euro geschätzt, davon 6,5 Milliarden aus öffentlichen Mitteln.^[Wikipedia – IRIS² – url: https://en.wikipedia.org/wiki/IRIS%C2%B2] Iris² verfolgt drei Ziele: ein souveränes, europäisch kontrolliertes Satellitensystem aufzubauen, die Abhängigkeit vom US-Anbieter SpaceX zu verringern und die strategische Autonomie Europas zu stärken.^[YouTube/Europäische Raumfahrtanalyse – Why Europe is Creating an Alternative to Starlink – url: https://www.youtube.com/watch?v=Urzg0ppWAEk] Anders als kommerzielle Megakonstellationen mit mehr als 10.000 Satelliten ist Iris² mit rund 300 Satelliten nicht auf Massenmarkt-Kapazität ausgelegt, sondern priorisiert sichere Konnektivität.^[arXiv – Toward EU Sovereignty in Space: A Comparative Simulation Study of IRIS2 and Starlink – url: https://arxiv.org/html/2604.16092v1]

Erste Partner an Bord

Das Programm wächst über die EU hinaus: Im März 2026 unterzeichneten Norwegen und Island Teilnahmeabkommen – sie steuern für 2026/2027 rund 40 Millionen beziehungsweise 3 Millionen Euro bei.^[Innovation News Network – First non-EU countries join European alternative to Starlink – url: https://www.innovationnewsnetwork.com/first-non-eu-countries-join-european-alternative-to-starlink/69113] Der isländische Botschafter bei der EU bezeichnete Iris² als von „enormer Bedeutung“, da es eine Absicherung für die drei Unterseekabel biete, von denen Islands Konnektivität abhängt.^[Innovation News Network – First non-EU countries join European alternative to Starlink – url: https://www.innovationnewsnetwork.com/first-non-eu-countries-join-european-alternative-to-starlink/69113] Polen formalisierte im Juli einen Beitrag von 656,3 Millionen Euro und unterstützt damit die Entwicklung von zwölf Satelliten sowie den Bau einer Bodenstation in Warschau.^[Wikipedia – IRIS² – url: https://en.wikipedia.org/wiki/IRIS%C2%B2] Zudem wurde im Januar 2026 das GOVSATCOM-Programm als Brücke zu Iris² operativ, das Satelliten aus fünf Mitgliedstaaten integriert.^[Wikipedia – IRIS² – url: https://en.wikipedia.org/wiki/IRIS%C2%B2]

Sicherheit als Kernauftrag

Die Bedeutung des Programms wurde durch den Ukraine-Krieg unterstrichen: Starlink spielte eine entscheidende Rolle bei der militärischen Kommunikation im Konflikt. EU-Kommissar Andrius Kubilius hatte bereits signalisiert, dass er einen Beitritt der Ukraine zu der Initiative befürwortet.^[Innovation News Network – First non-EU countries join European alternative to Starlink – url: https://www.innovationnewsnetwork.com/first-non-eu-countries-join-european-alternative-to-starlink/69113] Zugleich bleibt ein Risiko: Während die EU an Iris² baut, entwickeln Mitgliedstaaten wie Deutschland mit SATCOM BW und Frankreich mit SYRACUSE IV eigene nationale Satellitensysteme – eine Zersplitterung der Ressourcen, die die europäische Raumfahrtindustrie schwächen könnte.^[Euro Prospects – Only a Fully Backed IRIS² Can Deliver Europe's Sovereign Alternative to Starlink – url: https://europrospects.eu/esp-policy-brief-only-a-fully-backed-iris2-can-deliver-europes-sovereign-alternative-to-starlink]

Quellen: Handelsblatt – Was kann Europas Starlink Iris2? · Europäische Kommission – EU is accelerating and reinforcing IRIS² · Innovation News Network – First non-EU countries join European alternative to Starlink · Wikipedia – IRIS² · Euro Prospects – Policy Brief zu Iris²