Künstliche Intelligenz · Drohnen
„Die Tötungskette verkürzen“: Drohnen und KI verändern den Krieg – Deutschland rüstet noch klassisch
KI und Drohnen verändern die Logik des Krieges grundlegend. Militärexperte Carlo Masala warnt vor überhöhten Erwartungen an unbemannte Systeme – und die Grünen fordern ein Lagebild für die Drohnenabwehr.
Berlin, 21. August 2026 – Drohnen über dem Leipziger Flughafen, russische Luftraumverletzungen über Finnland, Hightech-Schlachtfelder in der Ukraine: Die rasante Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz und unbemannten Systemen verändern die Logik des Krieges grundlegend. Doch Deutschland, so der Befund einer Handelsblatt-Analyse, rüstet noch immer klassisch auf – obwohl alle Voraussetzungen für eine Hightech-Armee vorhanden wären.^[Handelsblatt – Rüstung: „Die Tötungskette verkürzen“ – Was der Krieg der Zukunft für Deutschlands Rüstungspläne bedeutet – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ruestung-wie-moderne-technologie-den-krieg-der-zukunft-veraendert/100246551.html]
„Drohnen allein erobern kein Territorium“
Nüchterner Blick eines ausgewiesenen Experten: Der Politikwissenschaftler Carlo Masala mahnt im Interview, die Rolle unbemannter Systeme nicht zu überschätzen – „Drohnen allein erobern kein Territorium“. Er benennt Prioritäten für den Krieg der Zukunft und kritisiert zugleich den teuren Rüstungseinkauf der Bundeswehr.^[Handelsblatt – Interview: Militärexperte Carlo Masala: „Drohnen allein erobern kein Territorium“ – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/carlo-masala-drohnen-allein-erobern-kein-territorium/100248097.html] Die Debatte über die „Tötungskette“, also die Verkürzung des Weges von der Aufklärung bis zum Waffeneinsatz durch KI-gestützte Systeme, ist damit in der deutschen Sicherheitspolitik angekommen – sie prallt dort jedoch auf eine Beschaffungsarchitektur, die traditionell auf Großgerät und Panzerverbände setzt.
Die Schutzlücke im eigenen Luftraum
Dass die Bedrohung längst im eigenen Land angekommen ist, zeigen die jüngsten Vorfälle: Finnland vermutet erneut eine Verletzung seines Luftraums durch ein russisches Flugzeug – es ist bereits der zweite Vorfall innerhalb weniger Monate, zuvor hatte ein anderer Nato-Staat Provokationen russischer Jets gemeldet.^[DER SPIEGEL – News: Finnland vermutet Verletzung seines Luftraums durch russisches Flugzeug – url: https://www.spiegel.de/ausland/finnland-vermutet-verletzung-seines-luftraums-durch-russisches-flugzeug-a-f62baf37-6f63-4468-95be-9d940de8d5ba] Und nach dem Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen drängen die Grünen im Bundestag auf Konsequenzen: Die Bundespolizei soll nach ihrem Willen hauptverantwortlich für die Drohnenabwehr in Deutschland werden. Bei der Abwehr gebe es „weiter zahlreiche Schutzlücken“, beklagen die Grünen; Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) werfen sie Symbolpolitik vor. Die jüngsten Reformen gingen nicht weit genug, Zuständigkeiten blieben unklar.^[F.A.Z. – Deutschland-Liveblog: Grüne fordern ständiges Lagebild für Drohnenabwehr – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/liveblog-bundespolitik-selbst-unter-spd-waehlern-lehnt-knapp-die-haelfte-bas-und-klingbeil-ab-faz-110093143.html]
Ein Lagebild in Echtzeit
Konkret schlägt die Fraktion ein ständiges Lagebild vor: „Die zuständigen Stellen müssen in Echtzeit Zugriff auf ein Lagebild haben, das, vor allem an kritischen Standorten, sämtliche Flugobjekte abbildet und durch Identifikationssysteme erkennen kann, ob und inwieweit ein Objekt berechtigt ist, sich innerhalb eines bestimmten Flugraums zu bewegen und von wo es gesteuert wird.“ In einem zweiten Schritt gehe es um die mögliche Abwehr. Zudem sollen auf einem „Drohnengipfel“ im Kanzleramt Vertreter von Polizeien, Blaulichtorganisationen und Nachrichtendiensten das weitere Vorgehen vereinbaren.^[F.A.Z. – Deutschland-Liveblog: Grüne fordern ständiges Lagebild für Drohnenabwehr – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/liveblog-bundespolitik-selbst-unter-spd-waehlern-lehnt-knapp-die-haelfte-bas-und-klingbeil-ab-faz-110093143.html]
Die Debatte zeigt: Zwischen dem Anspruch einer „Hightech-Armee“ und der Realität von Behördenstrukturen und Beschaffungswegen klafft in Deutschland weiterhin eine Lücke. Ob sie sich schließen lässt, dürfte darüber entscheiden, wie wehrhaft das Land im Krieg der Zukunft tatsächlich ist – in der Luft, im Cyberspace und am Boden.
Quellen: Handelsblatt – „Die Tötungskette verkürzen“: Was der Krieg der Zukunft für Deutschlands Rüstungspläne bedeutet · Handelsblatt – Carlo Masala: „Drohnen allein erobern kein Territorium“ · F.A.Z. – Deutschland-Liveblog: Grüne fordern ständiges Lagebild für Drohnenabwehr · DER SPIEGEL – Finnland vermutet Verletzung seines Luftraums durch russisches Flugzeug