Meta · Cambridge Analytica
Milliardenstrafe für Meta: Nach acht Jahren verliert der Konzern den Cambridge-Analytica-Prozess
Ein Geschworenengericht in New Mexico sieht es als erwiesen an, dass Meta seine Nutzer über den Umgang mit ihren Daten getäuscht hat. Pro Verstoß drohen bis zu 5000 Dollar – bei Millionen Betroffenen ergibt das eine Strafe in Milliardenhöhe.
Santa Fe/Berlin, 26. September 2026 – Gut acht Jahre nach dem Cambridge-Analytica-Skandal hat der Facebook-Mutterkonzern Meta in den USA einen weiteren Prozess um den Umgang mit Nutzerdaten verloren. Ein Geschworenengericht in Santa Fe im Bundesstaat New Mexico entschied am Freitag, Meta habe Nutzer über den Schutz ihrer Daten getäuscht. Dem Konzern droht nun eine Geldbuße in Milliardenhöhe.^[F.A.Z. – Cambridge Analytica: Drohende Milliardenstrafe für Meta nach verlorenem Prozess – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/cambridge-analytica-skandal-drohende-milliardenstrafe-fuer-meta-nach-verlorenem-prozess-201264202.html]
Jury sieht Meta in der Haftung
Die Geschworenen befanden das Unternehmen von Mark Zuckerberg für haftbar, weil es irreführende Angaben darüber gemacht hatte, wie persönliche Facebook-Nutzerdaten mit Anwendungen von Drittanbietern geteilt wurden.^[F.A.Z. – Cambridge Analytica: Drohende Milliardenstrafe für Meta nach verlorenem Prozess – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/cambridge-analytica-skandal-drohende-milliardenstrafe-fuer-meta-nach-verlorenem-prozess-201264202.html] Richter Francis Mathew kann nun über die Höhe der Geldbuße entscheiden.^[F.A.Z. – Cambridge Analytica: Drohende Milliardenstrafe für Meta nach verlorenem Prozess – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/cambridge-analytica-skandal-drohende-milliardenstrafe-fuer-meta-nach-verlorenem-prozess-201264202.html]
Wie der Finanzdienst Bloomberg aus dem Gerichtssaal berichtete, fanden die Geschworenen den Konzern bei den meisten der insgesamt 34 gestellten Fragen haftbar – und zwar mit jeweils 1,3 bis 2,1 Millionen Verstößen, gemessen an der Zahl der betroffenen Nutzer.^[Handelsblatt – Neues Urteil: Rückschlag für Meta vor Gericht wegen Cambridge Analytica – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/neues-urteil-rueckschlag-fuer-meta-vor-gericht-wegen-cambridge-analytica/100257559.html] Pro Verstoß droht eine Strafe von bis zu 5000 US-Dollar.^[Handelsblatt – Neues Urteil: Rückschlag für Meta vor Gericht wegen Cambridge Analytica – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/neues-urteil-rueckschlag-fuer-meta-vor-gericht-wegen-cambridge-analytica/100257559.html] Schon aus dieser Rechnung ergibt sich ein Volumen, das in die Milliarden geht – über die konkrete Summe entscheidet der Richter.
Der Skandal und seine Vorgeschichte
Die Affäre um die britische Beratungsfirma Cambridge Analytica, die mittlerweile nicht mehr existiert, war im März 2018 bekanntgeworden. Medien aus Großbritannien und den USA enthüllten, dass die Firma die Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern ausgewertet hatte, ohne deren Zustimmung einzuholen.^[F.A.Z. – Cambridge Analytica: Drohende Milliardenstrafe für Meta nach verlorenem Prozess – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/cambridge-analytica-skandal-drohende-milliardenstrafe-fuer-meta-nach-verlorenem-prozess-201264202.html] Die Daten sollen unter anderem von Politikberatern genutzt worden sein, um die Präsidentschaftswahl 2016 in den USA und das Brexit-Referendum im selben Jahr in Großbritannien zu beeinflussen.^[F.A.Z. – Cambridge Analytica: Drohende Milliardenstrafe für Meta nach verlorenem Prozess – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/cambridge-analytica-skandal-drohende-milliardenstrafe-fuer-meta-nach-verlorenem-prozess-201264202.html]
Der Skandal wird in den USA vor allem mit dem ersten Wahlsieg von Donald Trump in Verbindung gebracht; auch andere Politiker der Republikaner sollen im Vorwahlkampf von den Daten profitiert haben.^[F.A.Z. – Cambridge Analytica: Drohende Milliardenstrafe für Meta nach verlorenem Prozess – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/cambridge-analytica-skandal-drohende-milliardenstrafe-fuer-meta-nach-verlorenem-prozess-201264202.html] Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC warf Meta nach Bekanntwerden des Skandals vor, gegen Datenschutzregeln verstoßen zu haben, indem sie Cambridge Analytica Zugang zu den Nutzerdaten gab. Bereits 2019 zahlte der Konzern deshalb eine Geldbuße von fünf Milliarden Dollar.^[F.A.Z. – Cambridge Analytica: Drohende Milliardenstrafe für Meta nach verlorenem Prozess – url: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/cambridge-analytica-skandal-drohende-milliardenstrafe-fuer-meta-nach-verlorenem-prozess-201264202.html]
Von der Umfrage zum Nutzerprofil
Im Kern geht es um den Weg, auf dem die Daten abflossen: Informationen aus einer harmlos erscheinenden Umfrage eines Datenforschers wurden zur Erstellung von Nutzerprofilen genutzt und mit der Analysefirma Cambridge Analytica geteilt. Auch das Team des damaligen Kandidaten Donald Trump griff vor der US-Präsidentenwahl 2016 darauf zurück.^[Handelsblatt – Neues Urteil: Rückschlag für Meta vor Gericht wegen Cambridge Analytica – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/neues-urteil-rueckschlag-fuer-meta-vor-gericht-wegen-cambridge-analytica/100257559.html] Die Geschworenen in New Mexico bewerteten dieses Vorgehen nun auch unter dem Gesichtspunkt der Redefreiheit: Nutzer seien mit Blick auf Datenschutz und Meinungsfreiheit in die Irre geführt worden.^[Handelsblatt – Neues Urteil: Rückschlag für Meta vor Gericht wegen Cambridge Analytica – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/neues-urteil-rueckschlag-fuer-meta-vor-gericht-wegen-cambridge-analytica/100257559.html]
Ein Signal für die Plattformaufsicht
Der Ausgang ist mehr als eine späte Fußnote des Skandals. Er zeigt, dass sich die Aufsicht über große Plattformen zunehmend verschiebt: Weg von einmaligen Vergleichen und Geldbußen der Kartell- und Verbraucherbehörden, hin zu Verfahren, in denen Geschworenengerichte das Verhalten des Unternehmens über Jahre hinweg bewerten. Die Höhe des möglichen Strafrahmens – pro Verstoß und pro betroffener Person – macht solche Verfahren wirtschaftlich hochriskant. Der Konzern hatte den Fall über die Instanzen geführt und nun verloren; über Rechtsmittel ist damit noch nicht das letzte Wort gesprochen.
Wie es weitergeht
Der zuständige Richter muss nun die Strafe festlegen. Angesichts der festgestellten Verstoßzahlen dürfte die Summe deutlich über der FTC-Buße von 2019 liegen. Ob Meta Berufung einlegt und ob das Urteil Bestand hat, ist offen. Klar ist, dass der Cambridge-Analytica-Komplex die Debatte über Datenmacht und Werbeplattformen auch acht Jahre nach seiner Aufdeckung weiter prägt.
Quellen: F.A.Z. – Cambridge Analytica: Drohende Milliardenstrafe für Meta nach verlorenem Prozess · Handelsblatt – Neues Urteil: Rückschlag für Meta vor Gericht wegen Cambridge Analytica · Handelsblatt – Alter Skandal, neues Urteil: Rückschlag für Meta vor Gericht