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KI · Deepfake

Die KI-Front: Wie Russland Deepfakes vom Ukraine-Krieg bis in deutsche Wahlkämpfe einsetzt

Sie sehen aus wie verzweifelte ukrainische Soldaten, sind aber komplett KI-generiert: Russland hat Deepfakes als festen Bestandteil seiner hybriden Kriegsführung etabliert. Eine Analyse von über 1000 Videos entlarvt die Methodik – während dieselbe Maschinerie inzwischen auch deutsche Wahlkämpfe ins Visier nimmt.

iureka Team ·

Foto: ThisIsEngineering / Pexels
Foto: ThisIsEngineering / Pexels

Berlin, 23. August 2026 – Russland greift die Ukraine nicht nur mit Raketen und Drohnen an, sondern zunehmend auch mit Täuschung: KI-generierte Videos, die echten Soldaten zum Verwechseln ähnlich sehen, gehören inzwischen zum festen Bestandteil der russischen „kognitiven Kriegsführung“. Eine Auswertung von mehr als 1000 solcher Deepfakes entlarvt die Methodik der russischen KI-Maschinerie – und zeigt, wie Desinformation heute im industriellen Maßstab produziert wird.

Der Deepfake-Experte Francesco Cavalli und sein Team von der Analysefirma Sensity AI haben die Videos ausgewertet und sieben immer wieder reproduzierte Grundmuster herausgearbeitet. „Grundsätzlich entwickeln sich Deepfakes zu einem festen Bestandteil der hybriden Kriegsführung“, sagt Cavalli: „Der entscheidende Punkt ist, dass KI es dem Feind ermöglicht, Deepfakes im industriellen Ausmaß zu produzieren.“

Sieben Muster gegen Truppen und Bevölkerung

Die ersten vier Kategorien richten sich an die ukrainischen Truppen an der Front – mit dem Ziel, das Vertrauen in die eigene Führung zu schwächen. Gern werden dabei konkrete Brigadenamen und Koordinaten genannt, um Authentizität vorzugaukeln: „Wir sind von der 60. Brigade an der Front in Lyman. Wir haben null Rückendeckung“, behauptet ein vermeintlicher Soldat in einem der Videos. Cavallis Team identifizierte Sätze, die immer wieder auftauchen: „Alle Hoffnung ist verloren“, „keine Munition mehr“ oder „wir haben den Kontakt verloren“.

Weitere Kampagnen zielen auf die ukrainische Zivilbevölkerung: Familien von Soldaten und die kriegsmüde Bevölkerung werden angesprochen, oft von KI-generierten Frauen. Ein komplett synthetischer Mann berichtet von institutioneller Korruption – das Ziel: die Gesellschaft spalten. Hinzu kommt eine besonders beliebte Kategorie: Spott über die Mobilmachung.

TikTok als „Seeding-Plattform“

Auch der Verbreitungsweg folgt einem festen Muster: Zunächst wird die „Saat“ systematisch auf TikTok platziert. Sind die Videos dort in den ersten 14 Tagen erfolgreich, werden sie über Telegram-Accounts geteilt. Anschließend kommentieren russische Propagandisten und Kriegsblogger die Videos – das verstärkt den Eindruck ihrer Echtheit. Zuletzt werden die Inhalte auf anderen Social-Media-Plattformen verbreitet. Die Details werden dabei den Algorithmen angepasst: Wenn ein Soldat nicht genügend Interaktion erzeugt, nimmt man eben einen Zivilisten – oder ändert den Schauplatz.

Gegen die Flut der Fakes setzen die Experten auf KI gegen KI: Tiefe neuronale Netze erkennen auf Pixelebene Signale, die auf KI-Manipulation hindeuten; spezielle Algorithmen prüfen, ob Stimmen geklont oder synthetisch sind; die Datenverlaufsanalyse versucht, Videos bis zur Quelle zurückzuverfolgen.

Die gleiche Maschinerie erreicht Deutschland

Dass die russische Desinformationsindustrie längst nicht nur die Ukraine im Visier hat, zeigt ein Blick auf Deutschland: Bereits im Vorfeld der Landtagswahlen im September kursierten Fake-Videos, die mit den Logos seriöser Medien wie F.A.Z., Zeit, taz, ARD oder Deutscher Welle versehen waren und Politikern schwere Verbrechen wie Mord, sexuellen Missbrauch oder Korruption vorwarfen. Ein Faktencheck der Deutschen Welle identifizierte die Kampagne als Teil der russischen Einflussoperation „Matrjoschka“, die seit September 2023 die deutsche Bundespolitik ins Visier nimmt – die gezielte Einflussnahme auf Landtagswahlen in diesem Ausmaß sei neu. Betroffen sind demnach Kandidaten von CDU, SPD, Linken, FDP und Grünen; Hinweise auf Fakes gegen AfD oder BSW gibt es nicht. Die Narrative seien „stark prorussisch, antideutsch und EU-feindlich“, sagt Desinformations-Experte Pablo Maristany de las Casas.

„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit – diese alte Erkenntnis bekommt an der digitalen Front eine neue Dimension.“ — DER SPIEGEL zur Analyse der Sensity-AI-Studie

Fakt oder Fake: Das Wettrüsten der Erkennung

Viele Deepfake-Kampagnen zielen ausdrücklich auch auf die westliche Öffentlichkeit – speziell auf Menschen, die eine Unterstützung der Ukraine ohnehin infrage stellen. „Diese Menschen interagieren viel: Das führt zu mehr Likes, Kommentaren und Shares“, erklärt Cavalli. „Dies hilft der russischen Propaganda im Wesentlichen dabei, die öffentliche Meinung zum Krieg in der Ukraine neu zu gestalten.“ Noch vor drei Jahren war es relativ einfach, ein KI-generiertes Bild zu erkennen – heute nicht mehr. Die Deutsche Welle hat die gefälschten Inhalte inzwischen bei den Plattformen gemeldet und prüft zivil- und strafrechtliche Schritte. Das Wettrüsten zwischen Fälschung und Erkennung hat gerade erst begonnen.

Quellen: DER SPIEGEL – Russland: So nutzt Moskau Deepfakes im Kampf gegen die Ukraine · Süddeutsche Zeitung – Wie die Landtagswahlen zum Ziel von Desinformation werden