SpaceX · Tesla
SpaceX und Tesla: Musks Fusion macht den Interessenkonflikt zur Hauptfrage
Elon Musk lässt prüfen, ob seine beiden wichtigsten Unternehmen zusammengehen. Die Zahlen, die er am Dienstag vorlegte, erklären, warum: SpaceX wächst rasant – getragen vom Geschäft mit KI-Rechenzentren und Starlink, nicht von Raketen.
Frankfurt, 21. Oktober – Elon Musk hat am Dienstag zwei Nachrichten in einem Termin untergebracht: die Quartalszahlen von SpaceX und die Bestätigung, dass über eine Fusion mit Tesla nachgedacht wird. Beide Unternehmen hätten Ausschüsse gebildet, die einen Zusammenschluss prüfen, sagte Musk bei der Vorlage der Zahlen. Es gebe noch keine Konditionen, und er selbst könne an den Beratungen nicht teilnehmen, weil er an beiden Gesellschaften maßgeblich beteiligt sei – ein Interessenkonflikt, den er ausdrücklich benannte. „Ich denke, es wäre eine gute Idee“, sagte er über die Fusion, und verwies auf mögliche Synergien.
Das ist, gemessen an der Größe der beiden Unternehmen, eine ungewöhnlich beiläufige Ankündigung. Tesla ist börsennotiert, SpaceX seit dem Börsengang im Juni 2026 ebenfalls; ein Zusammenschluss wäre die größte Transaktion der Branche und müsste an beiden Gesellschaften von den Aktionären genehmigt werden. Musk hält bei SpaceX die Mehrheit der Stimmrechte – ein Umstand, der das Verfahren vereinfacht und die Minderheitsaktionäre umso stärker auf den Schutz durch unabhängige Ausschüsse verweist.
Warum die Fusion naheliegt
Die Zahlen, die Musk im selben Termin vorlegte, liefern die Begründung. SpaceX hat im dritten Quartal 14,6 Milliarden Dollar umgesetzt – im Vorjahresquartal waren es 5,6 Milliarden. Unterm Strich stand ein Nettogewinn von 4,4 Milliarden Dollar. Die Aktie legte nachbörslich um acht Prozent zu; sie war im Juni bei 135 Dollar an die Börse gegangen, zwischenzeitlich über 200 Dollar gestiegen und vor den Zahlen bei rund 147 Dollar notiert, was einer Bewertung von etwa zwei Billionen Dollar entspricht.
Der Treiber ist nicht das Raketengeschäft. Die Raumfahrtsparte wuchs um sechs Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar, Starlink um 69 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar – bei 13,6 Millionen Abonnenten nach 12,0 Millionen im Vorquartal, mit Lufthansa als Großkunden und inzwischen mehr als 3.800 Flugzeugen im Programm. Die weitaus größte Sparte ist jedoch das KI-Geschäft, das SpaceX nach der Übernahme von xAI betreibt: 7,6 Milliarden Dollar Umsatz nach 813 Millionen im Vorjahr. Das Unternehmen vermietet Rechenzentrumskapazität – unter anderem an Anthropic und Google. Allein Anthropic zahlt nach diesen Angaben 1,25 Milliarden Dollar im Monat. Für 60 Milliarden Dollar kam zudem der KI-Programmierdienst Cursor hinzu.
Das Geschäftsmodell hat sich damit verschoben: SpaceX ist weniger ein Raumfahrtunternehmen mit einem Internetableger als ein Rechenzentrumsbetreiber mit Raketenabteilung. Musk prognostizierte für Ende 2027 einen annualisierten Umsatz zwischen 500 Milliarden und einer Billion Dollar – eine Zahl, die die Investitionen erklärt: 19,6 Milliarden Dollar flossen im Quartal in Anlagen, davon 16,4 Milliarden in die KI-Sparte; für das laufende Quartal werden 35 bis 40 Milliarden erwartet.
Was Tesla in die Fusion einbringt
Tesla bringt in dieses Konstrukt das ein, was SpaceX nicht hat: eine Industriebasis, Cashflow aus dem Fahrzeuggeschäft und eine deutlich ältere Kapitalmarkthistorie. Umgekehrt bringt SpaceX das ein, was Teslas Bewertung seit Jahren trägt: eine Wachstumsgeschichte, die sich nicht an Autoverkäufen messen lassen muss. Genau darin liegt das Argument für eine Fusion – und zugleich der Verdacht, der gegen sie erhoben wird. Die Handelsblatt-Kommentarspalte hat die Transaktion „Space Tesla“ getauft und die These formuliert, sie sei für Anleger katastrophal und für Musk alternativlos.
Der Punkt ist nicht Polemik, sondern Bewertungsmechanik. Wird ein nicht vollständig transparentes, hochbewertetes Unternehmen in eine börsennotierte Gesellschaft eingebracht, entsteht ein Bewertungsproblem: Welcher Anteil des kombinierten Unternehmens entfällt auf welche Sparte, und zu welchem Preis? Bei einem Unternehmen, dessen wertvollster Teil ein Rechenzentrumsgeschäft mit einem einzigen Großkunden ist, hängt die Antwort an Fragen, die ein Prospekt nicht beantwortet: Wie lange läuft der Vertrag mit Anthropic, wie elastisch ist die Nachfrage, was kostet der Strom in fünf Jahren?
Der Interessenkonflikt ist diesmal ausdrücklich
Bemerkenswert ist, dass Musk den Konflikt selbst benannt hat. Bei Transaktionen mit nahestehenden Personen ist das der entscheidende Punkt: Ein Verwaltungsrat, der mehrheitlich vom Mehrheitsaktionär abhängt, kann eine solche Transaktion nicht wirksam prüfen. Deshalb sind unabhängige Ausschüsse, Fairness Opinions und die Zustimmung der Minderheit üblich – und deshalb ist die Formulierung, man habe „Ausschüsse gebildet“, noch keine Antwort auf die Frage, wie diese Ausschüsse besetzt sind.
Hinzu kommt die politische Dimension. SpaceX ist tief in staatliche Infrastruktur eingebunden: Starlink versorgt die Ukraine, Starshield ist ein militärisches Produkt, NASA und das Verteidigungsministerium sind Auftraggeber. In den Vereinigten Staaten wird über die Drosselung von Starshield-Zugängen für ukrainische Drohnen berichtet; ob und auf wessen Anweisung das geschah, ist Gegenstand von Berichten und Dementis. Ein Zusammenschluss mit Tesla würde diese Verbindung nicht lösen, aber die Zahl der Stellen erhöhen, an denen Aufsicht und Öffentlichkeit mitreden wollen.
Was jetzt zu prüfen ist
Formal beginnt das Verfahren mit den Ausschüssen, dann folgen Bewertung, Aktionärsvoten und – je nach Konstruktion – kartellrechtliche Anmeldungen in mehreren Jurisdiktionen. Materiell entscheidet sich alles an drei Fragen: Wie wird das KI-Geschäft bewertet, wenn ein großer Teil seines Umsatzes von einem Kunden abhängt? Wie wird der Interessenkonflikt des Mehrheitsaktionärs verfahrensrechtlich abgesichert? Und was bedeutet es für Tesla-Aktionäre, wenn sie künftig an einem Rechenzentrumsbetreiber beteiligt sind, dessen Investitionsvolumen das ihres Automobilgeschäfts um ein Vielfaches übersteigt?
Musk hat für diese Fragen am Dienstag eine Antwort mitgeliefert, die keine ist: Er sagte, er könne nicht mitberaten. Das ist ehrlich und für eine Transaktion dieser Größe nicht ausreichend – der Rest liegt bei den Ausschüssen, deren Mitglieder noch niemand kennt.