Social Media · Jugendliche
„Jugend zwischen Like und Limit“: Jeder zweite Teenager will Altersgrenzen bei Social Media
Die Techniker Krankenkasse hat 1.400 Jugendliche befragt: 55 Prozent sprechen sich für ein Social-Media-Verbot bis zu einem gewissen Alter aus. Gleichzeitig sagen vier von fünf, die Netzwerke täten ihnen gut – während in den USA ein Milliarden-Vergleich mit Meta für neue Impulse sorgt.
Berlin, 27. August 2026 – Ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche wünschen sich nicht nur viele Eltern und Lehrer, sondern offenbar auch die Betroffenen selbst: 55 Prozent der jungen Leute zwischen 12 und 17 Jahren haben sich dafür ausgesprochen. Das geht aus dem Social-Media-Report „Jugend zwischen Like und Limit“ hervor, den die Techniker Krankenkasse (TK) heute in Berlin vorstellt. Demnach haben sich acht Prozent der Befragten für ein grundsätzliches Verbot für Heranwachsende ausgesprochen, 47 Prozent für ein Verbot bis zu einem gewissen Alter – im Durchschnitt bis 14 Jahre. Zugleich lehnen 39 Prozent ein Verbot ab.^[BILD – 55 Prozent zwischen 12 und 17 dafür: Mehrheit der Teenager für Social-Media-Verbot – url: https://www.bild.de/politik/inland/mehrheit-der-teenager-fuer-social-media-verbot-6a8f8ed6518a586e185598c1]^[Handelsblatt – Faszination und Last: Umfrage: Hälfte der Teenager für Social-Media-Altersgrenzen – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/faszination-und-last-umfrage-haelfte-der-teenager-fuer-social-media-altersgrenzen/100249997.html]
Faszination und Last liegen nah beieinander
Die Krankenkasse ließ im April und Mai insgesamt 1.400 junge Leute im Alter von 12 bis 17 Jahren vom Institut eye square online befragen; die Ergebnisse entsprechen einem repräsentativen Abbild dieser Altersgruppe in Deutschland. Das ambivalente Bild: Vier von fünf Jugendlichen sagen, soziale Medien täten ihnen gut oder eher gut – nur 15 Prozent finden, die Nutzung tue ihnen nicht gut. 77 Prozent nutzen die Netzwerke, um Spaß zu haben, 75 Prozent als Zeitvertreib, 64 Prozent, um mit Freundinnen und Freunden in Kontakt zu bleiben. Die beliebtesten Plattformen: YouTube, TikTok, Instagram, Snapchat und Roblox.^[Handelsblatt – Faszination und Last: Umfrage: Hälfte der Teenager für Social-Media-Altersgrenzen – url: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/faszination-und-last-umfrage-haelfte-der-teenager-fuer-social-media-altersgrenzen/100249997.html]
Genervt sind junge Leute vor allem von zu viel Werbung (57 Prozent) und Fake News (52 Prozent). Aber auch die beim Scrollen verbrachte Zeit (36 Prozent), Mobbing und Beleidigung (35 Prozent) sowie ungewollte Videos wie Gewaltdarstellungen (31 Prozent) stören die Befragten.^[BILD – 55 Prozent zwischen 12 und 17 dafür: Mehrheit der Teenager für Social-Media-Verbot – url: https://www.bild.de/politik/inland/mehrheit-der-teenager-fuer-social-media-verbot-6a8f8ed6518a586e185598c1]
Die dunkle Seite: mentale Gesundheit
Der Report zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität und Wohlbefinden: Fast die Hälfte der Jugendlichen (49 Prozent), die mehr als vier Stunden am Tag in den Sozialen Medien unterwegs sind, berichtet von häufiger oder ständiger schlechter Laune. Wer die Medien maximal zwei Stunden am Tag nutzt, ist deutlich seltener missgestimmt (20 Prozent). Bei hoher Nutzung steigen zudem Unsicherheitsgefühle, Unzufriedenheit mit sich selbst, Gereiztheit, innere Unruhe und Erschöpfung – dazu zählen depressive Verstimmungen, Angststörungen, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und Schlafprobleme.^[BILD – 55 Prozent zwischen 12 und 17 dafür: Mehrheit der Teenager für Social-Media-Verbot – url: https://www.bild.de/politik/inland/mehrheit-der-teenager-fuer-social-media-verbot-6a8f8ed6518a586e185598c1]
Was sich Jugendliche wünschen
Statt eines bloßen Verbots wünschen sich Heranwachsende konkrete Unterstützung: Lernvideos zu den Gefahren von Social Media direkt auf den Plattformen (48 Prozent), speziell geschulte Medienscouts in der Schule (46 Prozent) sowie mehr Austausch mit den Eltern (43 Prozent).^[BILD – 55 Prozent zwischen 12 und 17 dafür: Mehrheit der Teenager für Social-Media-Verbot – url: https://www.bild.de/politik/inland/mehrheit-der-teenager-fuer-social-media-verbot-6a8f8ed6518a586e185598c1]
Milliardendeal mit Meta schürt die Debatte
International erhält die Debatte neuen Auftrieb durch einen Vergleich in den USA: Meta, der Konzern von Mark Zuckerberg, lässt sich darauf ein, fast 17 Milliarden Dollar an klagende US-Bundesstaaten zu zahlen und sich zu mehr Jugendschutz zu verpflichten – und entgeht damit einem Mega-Prozess, in dem die Suchtgefahren sozialer Medien für Kinder und Jugendliche öffentlichkeitswirksam verhandelt worden wären.^[Der Spiegel – News: Mini-EU-Gipfel im Kanzleramt, schwarz-roter Schwur in Münster – url: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/news-mini-eu-gipfel-im-kanzleramt-schwarz-roter-schwur-in-muenster-neuer-spiegel-politikpodcast-a-9f6d3e7a-8e73-4d6b-b172-89bb99dc123b] Ein Handelsblatt-Kommentar sieht darin einen richtigen, wenn auch unvollkommenen Schritt: „Bessere Algorithmen helfen Teenagern mehr als ein Komplettverbot. Doch viele Lücken bleiben.“^[Handelsblatt – Kommentar: Zuckerberg geht voran – jetzt muss die Konkurrenz folgen – url: https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-zuckerberg-geht-voran-jetzt-muss-die-konkurrenz-folgen/100249953.html] Die eigentliche Aufgabe für Plattformen wie für Politik bleibt damit dieselbe: Schutzmechanismen schaffen, ohne die positiven Seiten der Netzwerke – Kontakt, Kreativität, Inspiration – zu ersticken.
Quellen: Handelsblatt – Hälfte der Teenager für Social-Media-Altersgrenzen · BILD – Mehrheit der Teenager für Social-Media-Verbot · Der Spiegel – Meta zahlt mehr als 16 Milliarden Dollar · Handelsblatt – Kommentar: Zuckerberg geht voran