iureka Blog

Verfassungsschutz · Auto

Spione auf Rädern: Verfassungsschutz warnt vor vernetzten Autos aus China

Autos sind „Smartphones auf Rädern“ – und damit ein Sicherheitsrisiko. Nach einer AIVD-Warnung sehen auch deutsche Behörden Spionagegefahren, gerade für Politiker. Die Bundeswehr riegelt sensibles Gelände ab.

iureka Team ·

Foto: Luke Miller / Pexels
Foto: Luke Miller / Pexels

Berlin, 7. Oktober 2026 – In den westlichen Sicherheitsbehörden wächst die Sorge, dass chinesische Autos zur Spionage eingesetzt werden. Anlass ist eine Warnung des niederländischen Geheimdienstes AIVD, der zufolge staatliche Akteure auf Daten über Fahrzeuginsassen und deren Umgebung zugreifen könnten. Das Bundesinnenministerium sieht ebenfalls Missbrauchsgefahren – insbesondere, wenn Unternehmen zur Weitergabe verpflichtet sind. Der AIVD nennt Schutzmaßnahmen.^[Handelsblatt – Vernetzte Fahrzeuge: Verfassungsschutz warnt Politiker vor Spionage im Auto – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/vernetzte-fahrzeuge-verfassungsschutz-warnt-politiker-vor-spionage-im-auto/100259914.html]

„Smartphones auf Rädern“

Das Bundesinnenministerium unter Ressortchef Alexander Dobrindt (CSU) warnt seit Längerem: „Aufgrund der steigenden Marktanteile chinesischer Autohersteller im europäischen Markt, der geopolitischen Lage und der chinesischen Machtambitionen ergibt sich die Notwendigkeit, mögliche Risiken chinesischer Fahrzeuge genau im Blick zu haben“, sagte ein Ministeriumssprecher. Chinesische Fahrzeuge verfügten über „hochkomplexe, vernetzte Systeme, die eine große Menge an Daten generieren, speichern und übermitteln“.^[Handelsblatt – Spionage: Dobrindt warnt vor Risiken vernetzter Autos aus China – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/spionage-dobrindt-warnt-vor-risiken-vernetzter-autos-aus-china/100192429.html]

Konkret können Standortdaten, Gesprächsaufnahmen über die Bordmikrofone oder an Dritte übermittelte Bilder von Fahrkameras zur Sicherheitsgefahr werden – auch für Unternehmen. Wer Firmengeheimnisse im Auto bespricht, könnte sie auf Servern in China wiederfinden. Konkrete Erkenntnisse zu akuten Spionagevorfällen nannte das Ministerium allerdings nicht.^[Handelsblatt – Spionage: Dobrindt warnt vor Risiken vernetzter Autos aus China – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/spionage-dobrindt-warnt-vor-risiken-vernetzter-autos-aus-china/100192429.html]

Behörden untersuchen selbst – und riegeln ab

Nach Recherchen von WDR und NDR haben das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) in einem gemeinsamen Projekt Fahrzeuge mehrerer Hersteller untersucht. Zu Ergebnissen und Risikobewertung äußern sich die Behörden nicht.^[tagesschau – Chinesische Fahrzeuge: Spione auf Rädern? – url: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/chinesische-hersteller-sicherheitsbehoerden-100.html]

Die Bundeswehr hat bereits reagiert: Das Verteidigungsministerium bestätigt „Zufahrtsverbote für gewisse Fahrzeugtypen für spezielle Sicherheitsbereiche“. Ein Sprecher erklärte: „Grundsätzlich stellen aus Sicht der militärischen Sicherheit alle Sensoren eines Fahrzeugs, die für eine Ausspähung geeignet sind, eine Bedrohung dar.“ Darunter fielen Kamera- und Radarsysteme, Mikrofone sowie selbstständige und fernsteuerbare Datenübertragungssysteme.^[auto motor und sport – Spionage-Potenzial: Innenministerium hat China-Stromer genau im Blick – url: https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/spionage-potenzial-innenministerium-hat-china-stromer-genau-im-blick]

Europa reagiert mit Verboten und Zonen

Andere Länder sind schon weiter. Polen kündigte an, chinesischen Fahrzeugen den Zugang zu Militäranlagen zu verwehren. Die USA haben bereits unter der Biden-Regierung chinesische Software ab Modelljahr 2027 und chinesische Hardware ab 2029/2030 in vernetzten Autos verboten – faktisch ein Verkaufsverbot für viele chinesische Modelle.^[auto motor und sport – Spionage-Potenzial: Innenministerium hat China-Stromer genau im Blick – url: https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/spionage-potenzial-innenministerium-hat-china-stromer-genau-im-blick]

Auch die Schweiz handelt. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) warnt seit seinem Jahresbericht 2025 vor vernetzten Fahrzeugen. „Diese Autos sind Smartphones auf Rädern“, sagt NDB-Direktor Serge Bavaud. „Die Behörden dieses Landes arbeiten mit den Herstellern zusammen. Und die Geheimdienste können auf die von den Autos aufgezeichneten Daten zugreifen, zum Beispiel auf Gespräche.“ Der Bund schränkt inzwischen den Zugang zu sensiblen Standorten wie Zimmerwald ein.^[Blick – Sicherheitsrisiko: Bund verbannt vernetzte Autos von seinen Militäranlagen – url: https://www.blick.ch/politik/sicherheitsrisiko-bund-schraenkt-vernetzte-autos-ein/w5r1c6t]

Zwischen Warnung und Beweislast

China bestreitet stets, dass seine Autos für Spionage genutzt werden. Die Behörden betonen, dass sie Risiken beobachten, ohne konkrete Vorfälle zu belegen. Für Politik und Verwaltung bleibt die Gretchenfrage, wie viel Vorsicht ohne belegten Anlass verhältnismäßig ist – und ob Ver- und Gebote nach Herkunftsland rechtlich Bestand hätten. Klar ist: Solange ein vernetztes Auto mehr über seinen Fahrer weiß als dessen Smartphone, dürfte die Debatte kaum abreißen.

Quellen: