KI · Hedgefonds
Vom „KI-Orakel“ zum Notverkauf: Aschenbrenners Hedgefonds verliert 67 Prozent in einem Monat
Der 24-jährige Leopold Aschenbrenner galt als Prophet der KI-Revolution – sein Fonds wuchs auf 45 Milliarden Dollar. Dann kam der Juli: 67 Prozent Wertverlust, Notverkäufe, und Ken Griffins Citadel kauft das Portfolio auf.
New York, 2. August 2026 – Er wurde „KI-Nostradamus“ oder „KI-Orakel“ genannt: Der gebürtige Deutsche Leopold Aschenbrenner, 24 Jahre alt und einst Mitarbeiter bei OpenAI, galt in der KI-Szene und an der Wall Street als eine Art Branchenprophet. Jede Anlageentscheidung seines Hedgefonds Situational Awareness wurde aufmerksam verfolgt – wenn er in Unternehmen investierte, erlebten deren Aktien oft größere Kurssprünge. Doch nun hat der Überflieger einen jähen Absturz erlebt: Der Wert seines Fonds ist allein im Juli um 67 Prozent eingebrochen.
„Wir haben diesen Monat enttäuscht“, schrieb Aschenbrenner in einem Brief an seine Investoren, aus dem das „Wall Street Journal“ zitiert. Der Einbruch ereignete sich ausgerechnet in der Woche, in der der 24-Jährige heiraten wollte. Die Zahlen sind atemberaubend: Anfang Juli verwaltete der erst vor zwei Jahren aufgelegte Fonds noch bis zu 45 Milliarden Dollar – ein ungewöhnlich hohes Volumen für einen so jungen Hedgefonds. Nach den Verlusten und der Übernahme großer Teile des Portfolios durch Ken Griffins Investmentfirma Citadel ist das verwaltete Vermögen laut Bloomberg auf rund zehn Milliarden Dollar geschrumpft, mehr als halbiert.
Gehebelte Wetten auf KI-Infrastruktur
Die Ursache des Kollapses: massiv gehebelte Wetten auf Aktien aus dem KI- und Halbleitersektor. Als der Markt Mitte Juli in eine heftige Korrektur rutschte und viele KI-Titel innerhalb weniger Wochen um mehr als 30 Prozent nachgaben, zwangen die Verluste den Fonds zu Notverkäufen in großem Stil – zu Kursen nahe den Tiefständen. Citadel unter der Leitung von Ken Griffin übernahm einen Großteil des öffentlichen Aktienportfolios im Wert von knapp zehn Milliarden Dollar. Beobachter auf der Plattform X rekonstruierten die Eskalation: Der Fonds, der zeitweise mit bis zu vierfachem Hebel operierte, löste nach dem Verkauf seiner börsennotierten Beteiligungen seine Hebelwirkung auf und hält nun offenbar vor allem nicht börsennotierte Anteile etwa an dem KI-Unternehmen Anthropic.
„THIS HAS TO BE THE STORY OF 2026: Ken Griffin's Citadel was pushing surprise-rate-hike fears just days before the AI trade collapsed and forced 4x-levered Leopold Aschenbrenner's Situational Awareness to unload its book near the lows.“ — Kommentar des Branchenanalysten Shay Boloor (Futurum Group)
Trotz des Desasters im Juli steht der Fonds unterm Strich weiter im Plus: Nach dem Brief an die Partner lag die Rendite seit Jahresbeginn bei rund 80 Prozent – zuvor waren es zeitweise mehr als 400 Prozent. Einzelne Titel wie Sandisk und Micron haben sich inzwischen wieder um über 20 Prozent erholt. Die Achterbahnfahrt zeigt, wie volatil das KI-Investment-Ökosystem geworden ist.
KI-Finanzierung wird immer kreativer – und riskanter
Der Kollaps von Situational Awareness ist nur die spektakulärste Spitze eines Trends, den das Handelsblatt am Wochenende in einer Rekonstruktion beleuchtete: Finanzprofis finden immer neue Wege, die Milliardeninvestitionen der Tech-Konzerne in KI aus deren Bilanzen zu halten. Vorbild ist die Zweckgesellschaft „Beignet Investor LLC“, die sich im Oktober 2025 Verbindlichkeiten in Höhe von 27,3 Milliarden Dollar aufgeladen hat – die größte Einzelanleihe, die je begeben wurde. Sie dient der Finanzierung des KI-Ausbaus von Meta und gilt inzwischen als Blaupause für eine ganze Reihe ähnlicher Papiere, die verschleiern, wer sich das Geld am Ende wirklich leiht. Das Risiko solcher Konstruktionen tragen am Ende auch europäische Anleger – unter anderem die Allianz und deren Versicherungskunden, deren Sparpolicen in die KI-Finanzierung investiert sind.
Für Aschenbrenner selbst, den die FAZ als „deutsches KI-Wunderkind in Nöten“ beschreibt, geht es nun darum, den Vertrauensverlust zu begrenzen. Er übernahm in seinem Brief die volle Verantwortung für die Verluste. Die Episode wirft jedoch ein Schlaglicht auf die Frage, die die Branche seit Monaten umtreibt: Sind die Bewertungen im KI-Sektor eine fundamentale Wachstumsstory – oder eine Blase, die bei der ersten Zinsbewegung platzt? Der Juli 2026 liefert zumindest einen Vorgeschmack.
Quellen: Handelsblatt – Aschenbrenners Hedgefonds verliert 67 Prozent · F.A.Z. – Deutsches KI-Wunderkind in Nöten · Bloomberg – Situational Awareness Assets Fall to $10 Billion · WSJ – Citadel Buys Situational Awareness's Stock Portfolio · Handelsblatt – Wie Metas Schulden in deutschen Sparpolicen landen könnten