Zölle · EU
Ein Jahr Turnberry-Deal: Was vom EU-US-Zollabkommen geblieben ist
Vor genau einem Jahr standen die Details des EU-US-Handelsabkommens – der „Turnberry-Deal“. Die Bilanz ist gemischt: Die Zollobergrenze hält, doch Industrie und Verbände kritisieren mangelnde Stabilität und hohe Sonderzölle auf Stahl und Autos.
Brüssel/Washington, 21. August 2026 – Vor genau einem Jahr standen die Details des bilateralen Handelsabkommens zwischen der EU und den USA – der „Turnberry-Deal“, benannt nach dem schottischen Golfresort, in dem sich US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende Juli 2025 nach monatelangem Zollkonflikt verständigt hatten. Die Bilanz nach zwölf Monaten fällt gemischt aus: Die Zollobergrenze steht, viele Waren fließen sogar günstiger – doch Industrie und Verbände klagen über mangelnde Stabilität.^[DER SPIEGEL – Wie das Zollabkommen zwischen EU und USA funktioniert – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/wie-das-zollabkommen-zwischen-eu-und-usa-funktioniert-a-4a249869-b14c-4adf-8642-28ff9a7b63a4]
Was der Deal vorsieht
Die gemeinsame Erklärung legte fest, dass auf die meisten europäischen Einfuhren in die USA maximal ein Aufschlag von 15 Prozent des Warenwertes erhoben werden darf – die sogenannte Zollobergrenze. Im Gegenzug machte Brüssel Zugeständnisse wie die Abschaffung der EU-Zölle auf US-Industriegüter und baute später ein Sicherheitsnetz ein: Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder Absprachen wieder aussetzen, können auch die Zugeständnisse der EU ausgesetzt werden.^[Handelsblatt – Trumps Zollchaos: Was nach einem Jahr vom EU-US-Zolldeal geblieben ist – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/trumps-zollchaos-was-nach-einem-jahr-vom-eu-us-zolldeal-geblieben-ist/100248757.html]
10 statt 15 Prozent: ein unerwarteter Vorteil
Derzeit liegt der pauschale Zollsatz, der tatsächlich für die meisten EU-Importe in die USA erhoben wird, nach Angaben einer Sprecherin der EU-Kommission sogar nur bei zehn Prozent. Hintergrund ist ein neuer Zollsatz, den US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer gegen rund 60 Handelspartner verkündete – angeblich, weil diese unzureichend gegen Zwangsarbeit vorgegangen seien. Die EU-Kommission wertet das als keine Verschlechterung, im Gegenteil: Alle EU-Exporte profitierten nach den neuen Zollregelungen entweder von einer günstigeren oder gleichwertigen Regelung; zugleich wurden Zollbefreiungen für Produkte wie Kork und Diamanten wieder eingeführt.^[DER SPIEGEL – Wie das Zollabkommen zwischen EU und USA funktioniert – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/wie-das-zollabkommen-zwischen-eu-und-usa-funktioniert-a-4a249869-b14c-4adf-8642-28ff9a7b63a4]
BDI und Autoindustrie: „Schmerzhafter Kompromiss“
Die Wirtschaft sieht die Lage nüchterner. „Der Turnberry-Deal hat für die Industrie bisher nur bedingt Stabilität gebracht. Das Abkommen war immer ein schmerzhafter Kompromiss“, sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. Zwar hielten sich die USA „größtenteils“ an die Obergrenze von 15 Prozent – doch für Stahl und Aluminium gelten weiterhin teils 50-prozentige Zölle und auf bestimmte Lkw-Einfuhren Sätze von 25 Prozent; beim Stahl drohe nach zwischenzeitlichen Verbesserungen sogar wieder eine Ausweitung der US-Maßnahmen. Auch der Verband der Autoindustrie ist unzufrieden: „Die aktuellen US-Zölle in Höhe von 15 Prozent für Pkw und deren Teile stellen weiterhin eine spürbare Herausforderung für die deutsche Automobilindustrie dar“, hieß es – vor Trumps Amtsantritt lag der Zollsatz für Pkw noch bei 2,5 Prozent.^[DER SPIEGEL – Wie das Zollabkommen zwischen EU und USA funktioniert – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/wie-das-zollabkommen-zwischen-eu-und-usa-funktioniert-a-4a249869-b14c-4adf-8642-28ff9a7b63a4]
Trumps erratischer Stil bleibt das Risiko
Wie unberechenbar der Verhandlungspartner bleibt, zeigte zuletzt das Beispiel Kanada: Nach der Verhängung eines Zolls von 25 Prozent auf nahezu alle Waren drohte Trump zeitweise mit einem Satz von 100 Prozent; eine zusätzliche Importgebühr von 50 Prozent auf eine Reihe von Produkten kassierte er wenige Stunden vor dem angepeilten Start wieder. Die plötzlichen Rückzieher prägen Trumps erratischen Verhandlungsstil seit Langem und sind unter dem Akronym „Taco“ bekannt – „Trump Always Chickens Out“, Trump kneift immer.^[DER SPIEGEL – Wie das Zollabkommen zwischen EU und USA funktioniert – url: https://www.spiegel.de/wirtschaft/wie-das-zollabkommen-zwischen-eu-und-usa-funktioniert-a-4a249869-b14c-4adf-8642-28ff9a7b63a4]
Der Jahrestag des Deals fällt damit in eine Phase, in der die EU einerseits von gesunkenen Zöllen profitiert, andererseits um die Verlässlichkeit ihres wichtigsten Handelspartners bangen muss – ein schmaler Grat zwischen Entspannung und neuem Zollkonflikt.
Quellen: DER SPIEGEL – Wie das Zollabkommen zwischen EU und USA funktioniert · Handelsblatt – Was nach einem Jahr vom EU-US-Zolldeal geblieben ist