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Frankreich · Präsidentschaftswahl 2027

Glucksmann will Frankreichs Präsident werden – und ist längst Ziel von Desinformation

Der französische EU-Abgeordnete Raphaël Glucksmann kündigt seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2027 an. Doch wer in diesem Rennen mitmischt, muss mit mehr rechnen als mit politischen Gegnern: Kremlnahe Netzwerke zielen bereits auf die Kandidaten.

iureka Team ·

Foto: Mathias Reding / Pexels
Foto: Mathias Reding / Pexels

Paris/Berlin, 23. August 2026 – Das Rennen um den Élysée-Palast bekommt einen weiteren Bewerber: Der französische EU-Abgeordnete Raphaël Glucksmann hat seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im April 2027 angekündigt. Nach Informationen des SPIEGEL könnte der Sozialdemokrat als gemeinsamer Kandidat des linken und sozialdemokratischen Lagers antreten.^[Der Spiegel – Frankreich: Raphaël Glucksmann kündigt Kandidatur für Präsidentschaftswahl 2027 an – url: https://www.spiegel.de/ausland/frankreich-raphael-glucksmann-kuendigt-kandidatur-fuer-praesidentschaftswahl-2027-an-a-03ca9099-36fe-4b99-96c2-1f4f390ae551]

Ein Bewerber mit Bekanntheitsproblem – und Feinden

Glucksmann, der bei der Europawahl 2024 mit seiner Liste „Réveiller l’Europe“ überraschend stark abgeschnitten hatte, gilt als profiliertester Redner des französischen Sozialdemokratismus. Seine Chancen hängen maßgeblich davon ab, ob es ihm gelingt, die zersplitterte Linke hinter sich zu vereinen – ein Unterfangen, an dem in der Fünften Republik schon viele gescheitert sind. Amtsinhaber Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten 2027 nicht erneut antreten, das Feld der Bewerber ist daher so offen wie lange nicht.

Die unsichtbare Front: Kremlnahe Netzwerke

Wer in diesem Rennen mitmischen will, muss sich jedoch nicht nur gegen politische Konkurrenten behaupten. Bereits Mitte August berichtete die Süddeutsche Zeitung über eine massive Desinformationskampagne im Netz, deren Ursprung die französischen Behörden in Russland verorten: Gleich drei prominente Politiker, die bei der Wahl eine wichtige Rolle spielen könnten, seien mit groben Falschnachrichten überzogen worden – Gabriel Attal, Édouard Philippe und ausgerechnet auch Raphaël Glucksmann. In zwei Fällen soll die Propagandaeinheit Storm-1516 am Werk gewesen sein, in einem die Troll- und Botfabrik Matrjoschka; beide Gruppen stehen dem Kreml nahe.^[Süddeutsche Zeitung – Kremlnahe Netzwerke mischen sich massiv in Macrons Nachfolge ein – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/russland-desinformation-praesidentschaftswahl-frankreich-macron-li.3528178]

Digitale Einmischung als Wahlkampfthema

Die Kampagnen zielen gezielt auf Kandidaten der politischen Mitte und der Linken – Marine Le Pen vom rechtsextremen Rassemblement National bleibt nach Erkenntnissen der Ermittler bislang verschont. Frankreichs Regierung plant deshalb schärfere Gesetze gegen digitale Einmischung; die Grünen-Spitze fordert sogar ein Verbot von Musks Plattform X vor der Wahl 2027.^[Süddeutsche Zeitung – Kremlnahe Netzwerke mischen sich massiv in Macrons Nachfolge ein – url: https://www.sueddeutsche.de/politik/russland-desinformation-praesidentschaftswahl-frankreich-macron-li.3528178]

Für Glucksmann bedeutet die Ankündigung seiner Kandidatur damit den Eintritt in ein Rennen, das längst nicht mehr nur auf dem Boden der politischen Auseinandersetzung entschieden wird. Ob er den Wahlkampf gegen die unsichtbaren Angreifer aus dem Netz gewinnen kann, wird zu den spannendsten Fragen des französischen Superwahljahres 2027 gehören.

Quellen: Der Spiegel – Glucksmann kündigt Kandidatur an · Süddeutsche Zeitung – Kremlnahe Netzwerke und die Wahl 2027