iureka Blog

Iran · USA

„Eine eingefrorene Außenpolitik bringt eine eingefrorene Wirtschaft hervor“: Iran droht USA im Wirtschaftskrieg

Nach dem Nachlassen der militärischen Kampfhandlungen will Washington den Iran mit den „härtesten Sanktionen der Geschichte“ in die Knie zwingen. Teheran kontert mit Warnungen vor einem Bumerang-Effekt – und droht den Golf-Nachbarn, falls sie sich dem Wirtschaftskrieg anschließen.

iureka Team ·

Foto: Pratikxox / Pexels
Foto: Pratikxox / Pexels

Teheran/Washington, 23. August 2026 – Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran verlagert sich die Front zunehmend auf das wirtschaftliche Terrain: Nach dem Nachlassen der militärischen Kampfhandlungen will Washington Teheran mit den „härtesten Sanktionen der Geschichte“ in die Knie zwingen – und stößt auf offene Drohungen aus Teheran. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warnt die USA vor einem Bumerang-Effekt, der am Ende die amerikanische Wirtschaft selbst treffen werde.

Auf der Plattform X teilte Ghalibaf einen Comic, der suggeriert, der von Washington angekündigte Wirtschaftskrieg werde auf die USA zurückfallen. „Eine eingefrorene Außenpolitik bringt eine eingefrorene Wirtschaft hervor“, schrieb Ghalibaf – und spielte dabei auch auf die zuletzt gestiegenen Renditen amerikanischer Staatsanleihen an.

„Wirtschaftlicher D-Day“: Washingtons Ankündigungen

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch angekündigt, den wirtschaftlichen Druck auf den Iran drastisch zu erhöhen. Er sprach von einem „wirtschaftlichen D-Day“ für den Iran und drohte auch Unterstützern Teherans mit drakonischen Maßnahmen. Details zu seinen Plänen lieferte Trump zunächst nicht. US-Finanzminister Scott Bessent will am Montag auf einer Pressekonferenz über das Vorhaben informieren – und sprach bereits von den „härtesten Sanktionen der Geschichte“.

Teheran gibt sich gelassen – doch die Wirtschaft leidet

Iranische Staatsmedien hatten sich nach Trumps Ansage demonstrativ gelassen gegeben: Die USA versuchten seit Jahren, jegliche finanzielle und wirtschaftliche Beziehung zum Iran zu unterbinden, schrieb etwa die Nachrichtenagentur Tasnim. Iran habe jedoch „gelernt, diese Beschränkungen zu umgehen, und ist darin mittlerweile sehr versiert“. Trotz des ausgeklügelten Systems zur Sanktionsumgehung steht die iranische Wirtschaft jedoch seit Jahren massiv unter Druck – die Bevölkerung leidet unter einer sprunghaft gestiegenen Inflation.

Drohung an die Golf-Nachbarn

Der neue Chef des iranischen nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaee, drohte am Samstag zugleich den ölreichen Nachbarländern: Wer sich an einem Wirtschaftskrieg gegen den Iran beteilige, werde als Feind betrachtet – und „kein Tropfen Öl“ werde dann den Persischen Golf passieren, sagte er im Staatsfernsehen. Eine Eskalation, die angesichts der Bedeutung der Golfroute für die globalen Ölmärkte weit über die Region hinaus Wirkung entfalten könnte.

„Kein Tropfen Öl wird den Persischen Golf passieren.“ — Mohsen Rezaee, Chef des iranischen Sicherheitsrats, im Staatsfernsehen

Wirtschaftskrieg statt Bodenkrieg

Die militärischen Kampfhandlungen im Iran-Krieg haben nachgelassen – doch von Entspannung kann keine Rede sein. Washington setzt nun auf den wirtschaftlichen Kollaps Teherans, Teheran auf die Widerstandsfähigkeit seiner Bevölkerung und die Verflechtungen der Weltwirtschaft. Ob der angekündigte Sanktionsschlag tatsächlich kommt und wie der Iran reagiert, dürfte in den kommenden Tagen zu den wichtigsten Fragen der internationalen Politik gehören – nicht zuletzt für die Ölpreise und die Finanzmärkte.

Quellen: DER SPIEGEL – Iran: Parlamentspräsident droht USA mit Bumerang-Effekt im Wirtschaftskrieg · Handelsblatt – Iran-Krieg: Iran warnt USA vor Bumerang-Effekt bei Wirtschaftskrieg