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Laschet · CDU

„Die Brandmauer hat nicht funktioniert“: Laschet sorgt bei Miosga für Überraschung

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt Armin Laschet bei Caren Miosga mit einer ungewohnten Analyse für Aufsehen: Die Migration sei nicht mehr das Hauptthema der AfD-Erfolge – und die Brandmauer als Strategie gescheitert. Zugleich schließt er jede Koalition kategorisch aus.

iureka Team ·

Foto: Isaiah Ekele / Pexels
Foto: Isaiah Ekele / Pexels

Berlin, 24. August 2026 – Weniger als zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der frühere Unionskanzlerkandidat Armin Laschet in der ARD-Talkshow von Caren Miosga für Aufsehen gesorgt. Sein Urteil über den Umgang der etablierten Parteien mit der AfD fiel ungewohnt selbstkritisch aus: „Die Methodik, mit der wir versucht haben, die AfD auch durch formelles Ausgrenzen kleinzumachen, ist gescheitert. Das kann man jeden Tag erkennen. Sonst wäre sie nicht so stark“, sagte der CDU-Politiker in der ersten Sendung nach der Sommerpause.^[BILD – CDU-Mann bei Miosga: Laschet überrascht mit Migrations-These zur AfD – url: https://www.bild.de/politik/politik-talkshows-im-tv-talk-kritik/armin-laschet-ueberrascht-mit-migrations-these-zur-afd-6a8b798d511d4fd3bc4e1830] Dass die AfD in vielen Ausschüssen trotz ihrer Stimmenanteile nicht einmal Stellvertreterposten bekomme, sei „kein guter Zustand“ – Ausschussposten zu verweigern, halte er für falsch. Sein Fazit: „Das nenne ich mal eine Brandmauer, die nicht funktioniert hat.“^[BILD – CDU-Mann bei Miosga – url: https://www.bild.de/politik/politik-talkshows-im-tv-talk-kritik/armin-laschet-ueberrascht-mit-migrations-these-zur-afd-6a8b798d511d4fd3bc4e1830]

Die Migrations-These

Seine überraschendste These betraf die Gründe für den Höhenflug einer Partei, die in Sachsen-Anhalt zuletzt in Umfragen bei mehr als 40 Prozent lag: „Die Migration ist um 50 Prozent reduziert im Neuzugang und ich behaupte, wenn sie bei null wäre, würde das nichts an den 40 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt umfragemäßig verändern“, erklärte Laschet. „Weil das gar nicht mehr das Hauptthema ist, weil es viele andere kulturelle Themen sind, auf die sie springen.“^[BILD – CDU-Mann bei Miosga – url: https://www.bild.de/politik/politik-talkshows-im-tv-talk-kritik/armin-laschet-ueberrascht-mit-migrations-these-zur-afd-6a8b798d511d4fd3bc4e1830]

Klare Kante bei den Staatsämtern

Gleichwohl zog Laschet eine unmissverständliche rote Linie: „Eine andere Frage ist, ob wir die in Staatsämter bringen und mit denen koalieren. Und da kann mir kein Politikwissenschaftler vorschreiben, dass ich diesen Typen Ministerämter oder ähnliche Verantwortung für öffentliche Ämter gebe. Das wird die CDU nie machen. Nie im Leben!“ – dafür gab es kräftigen Applaus im Studio.^[BILD – CDU-Mann bei Miosga – url: https://www.bild.de/politik/politik-talkshows-im-tv-talk-kritik/armin-laschet-ueberrascht-mit-migrations-these-zur-afd-6a8b798d511d4fd3bc4e1830] Zugleich griff er die Linke an: In der Nato-Skepsis sei sie „genauso antiwestlich“, und in Debatten zu Russland oder zur Hamas rede sie „ziemlich ähnlich“ wie die AfD.^[BILD – CDU-Mann bei Miosga – url: https://www.bild.de/politik/politik-talkshows-im-tv-talk-kritik/armin-laschet-ueberrascht-mit-migrations-these-zur-afd-6a8b798d511d4fd3bc4e1830]

„Macht euren Job“

Bemerkenswert deutlich wurde Laschet auch in der Kritik an den Regierungsparteien. Die Bundesregierung habe einen Anteil an der allgemeinen Unzufriedenheit, „die Bundesregierung besteht aber aus zwei Parteien“. Über das Spitzenpersonal der SPD fällte er ein vernichtendes Urteil: „Es ist kein Müntefering“, klagte er mit Blick auf die Parteichefin und den Co-Vorsitzenden – „ein Müntefering würde den Ton jetzt treffen, aber die gibt es nicht mehr!“ Wenn die SPD „fest bei 12 liegt und wir bei 20 plus x“, sei das „ein Problem für beide Parteien“. Sein Appell: „Macht euren Job, macht euer Handwerk, es beginnt sich etwas nach vorn zu entwickeln!“^[BILD – CDU-Mann bei Miosga – url: https://www.bild.de/politik/politik-talkshows-im-tv-talk-kritik/armin-laschet-ueberrascht-mit-migrations-these-zur-afd-6a8b798d511d4fd3bc4e1830]

Debatte um ein umstrittenes Konzept

Die Süddeutsche Zeitung beschrieb den Auftritt in ihrer TV-Kritik als „Workout“ für Laschet. Die Frage, ob die Brandmauer zur AfD noch zu halten sei, habe sich in der Runde letztlich als die falsche erwiesen: Den Begriff selbst mochte niemand so richtig – Laschet hält ihn für ein von Journalisten erfundenes Unwort, der Politikwissenschaftler Christian Stecker von der TU Darmstadt nannte die Konsequenzen des CDU-Unvereinbarkeitsbeschlusses von 2018 aus demokratietheoretischer Sicht „mindestens fragwürdig“. Seine Sorge: „Dass sich die Gesellschaft entlang der Brandmauer so gespalten hat, obwohl die Gesellschaft an sich gar nicht so zerstritten ist.“ Eine Stimme für die AfD führe zu nichts – „das kann man aber in einer repräsentativen Demokratie nicht wollen“. Sein Vorschlag: statt dicker Koalitionsverträge künftig auf situative Mehrheiten zu setzen – ein „krasser Bruch mit der deutschen Konvention“.^[Süddeutsche Zeitung – TV-Kritik: War es das jetzt mit der „Brandmauer“? – url: https://www.sueddeutsche.de/medien/caren-miosga-armin-laschet-cdu-afd-brandmauer-li.3535093]

Ob sich Laschets Doppelbotschaft aus „gescheitert“ und „nie im Leben“ bis zum Wahlsonntag in Sachsen-Anhalt trägt, wird sich am 6. September zeigen – wenn die AfD womöglich erstmals vor einer Regierungsbeteiligung steht.

Quellen: BILD – Laschet überrascht mit Migrations-These zur AfD · Süddeutsche Zeitung – War es das jetzt mit der „Brandmauer“?