Friedrich Merz · Kabinett
„Augen auf dem Ball“: Merz schwört Kabinett auf Reformen ein – Rating-Agentur warnt vor Herabstufung
Kanzler Friedrich Merz ist aus dem Urlaub zurück und drängt sein Kabinett zur schnellen Umsetzung der Reformbeschlüsse. Zur Wochenmitte steht die Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg an – während eine US-Rating-Agentur exklusiv vor einer möglichen Herabstufung Deutschlands warnt.
Berlin, 23. August 2026 – Der Kanzler ist zurück – und setzt auf Tempo: Friedrich Merz (CDU) hat sein Kabinett nach der Sommerpause auf die schnelle Umsetzung der vor der parlamentarischen Pause beschlossenen Reformen eingeschworen. „In Deutschland geht es um Wachstum und Beschäftigung. Das ist das wichtigste Thema. Also volle Konzentration darauf, die Augen auf dem Ball“, sagte Merz exklusiv gegenüber BILD. Zeitgleich verschärft sich der wirtschaftspolitische Druck: Eine US-Rating-Agentur warnt angesichts von Rekordschulden, explodierenden Zinsen und Firmensterben vor einer möglichen Herabstufung Deutschlands.
Merz war nach wochenlangem Arbeitsurlaub am Tegernsee am Samstag erstmals wieder öffentlich aufgetreten – im Waldbrand-Krisengebiet Hürtgenwald in der Eifel, wo Feuerwehrleute den größten Brand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens bekämpft hatten. Der Kanzler wurde dort von Teilen der Bevölkerung mit Buhrufen und Pfiffen empfangen. Am Dienstag und Mittwoch will er sein Regierungsteam nun bei der Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg (Brandenburg) auf die kommenden Monate einschwören.
„Historische Beschlüsse“ – jetzt zählt die Umsetzung
Bei Steuern, Rente, Entbürokratisierung und Digitalisierung habe seine Regierung vor der Sommerpause „historische Beschlüsse“ gefasst, betonte Merz: „Jetzt müssen sie so schnell wie möglich umgesetzt werden.“ Es gehe um eine schnelle und umfassende Entlastung für die Wirtschaft, gerade auch für Handwerk und Mittelstand. „Ich werde das Team auf diese Aufgabe einschwören“, kündigte er an.
Besonders im Fokus steht nach BILD-Informationen der neue Verkehrsminister Stefan Bilger. Für Merz ist zentral, dass im Infrastrukturbereich über die sogenannten Giga-Schulden Privatkapital aktiviert wird – vor allem für Häfen und Straßen. Der Staat könne die Probleme nicht dauerhaft allein und mit immer neuen Schulden lösen, sagte der Kanzler. Auch die neue Kanzleramtschefin Nina Warken ist gefordert: Sie soll Geschwindigkeit in die Gesetzgebungsprozesse bei Rente, Pflege und Bürokratieabbau bringen.
Rekordschulden, schwaches Wachstum: Droht die Herabstufung?
Der Reformdruck kommt nicht von ungefähr: Deutschlands Finanzen steuern nach Einschätzung einer US-Rating-Agentur auf eine gefährliche Schieflage zu. Gegenüber BILD warnt das Institut davor, dass dem Land angesichts von Rekordschulden, explodierender Zinslast und kaum vorhandenem Wachstum eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit drohen könnte. Firmensterben und eine schwache Konjunktur verschärfen die Lage zusätzlich.
Auch politisch bleibt die Lage angespannt: In der Debatte um den Umgang mit den Folgen des Klimawandels – etwa den verheerenden Waldbränden – versucht die SPD dem Kanzler nach Einschätzung der F.A.Z. eine Falle zu stellen. Merz jedenfalls lässt sich davon nicht beirren: „Wir wissen, was richtig und gut ist für das Land. Da lassen wir uns nicht beirren.“
„Wir haben vor der Sommerpause historische Beschlüsse dazu gefasst. Jetzt müssen sie so schnell wie möglich umgesetzt werden.“ — Friedrich Merz gegenüber BILD
Der Herbst wird zur Bewährungsprobe
Die Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg markiert den Auftakt eines Herbstes, in dem sich die Bundesregierung gleich mehrfach beweisen muss: bei der Umsetzung der Reformen, in den Landtagswahlkämpfen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern – und gegenüber den Finanzmärkten, die angesichts der Schuldenlage genau hinschauen. Ob es der Regierung gelingt, das Land zurück auf den Wachstums- und Optimismus-Pfad zu führen, dürfte auch über das politische Schicksal des Kanzlers entscheiden.
Quellen: BILD – Immer mehr Schulden, aber kaum Wachstum: Rating-Agentur warnt, Deutschland droht Herabstufung · BILD – Friedrich Merz: Volle Konzentration auf Wachstum und Beschäftigung · F.A.Z. – Klimapolitik: Mehr Pragmatismus wagen