Sabotage · Hybride Bedrohung
Waffenfund bei Berlin: Wie Deutschland auf die hybride Bedrohung antwortet
Zwei Handfeuerwaffen, wohl für Anschläge vorgesehen: Der Waffenfund bei Berlin gilt als weiteres Zeichen der hohen Gefährdungslage. Parallel plant die Bundeswehr nach POLITICO-Recherchen ein neues Arsenal an Langstreckenwaffen für fast zwölf Milliarden Euro.
Berlin, 21. August 2026 – Man kennt Waffendepots aus dem Kalten Krieg – doch die heutige Bedrohung ist nicht weniger heiß, sie ist nur vielschichtiger und versteckter. Beim Fund von zwei Handfeuerwaffen bei Berlin, die wohl für Anschläge vorgesehen waren, gehen die deutschen Behörden davon aus, dass eine „Beteiligung fremder Mächte“ nicht auszuschließen sei. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Tat.^[F.A.Z. – Waffenfund bei Berlin: Schleichender Angriff – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/weiteres-zeichen-fuer-sabotage-der-waffenfund-201147964.html]
Eine hohe Gefährdungslage
Der Fund ist nach Einschätzung von Sicherheitsexperten ein weiteres Zeichen dafür, in welcher Gefährdungslage sich Deutschland befindet. Die Angriffe sind vielfältig: Cyberangriffe auf die kritische Infrastruktur, auf Bund und Länder, Desinformationskampagnen – bis hin zum Mord im Tiergarten durch einen russischen Agenten. Gut, dass das Lager zeitig entdeckt werden konnte, kommentiert die F.A.Z. – auch wenn die Entdeckung den Tätern nicht verborgen blieb. Unabhängig davon, wer das Ziel der geheimdienstlichen Agententätigkeit war oder werden könnte: Höchste Wachsamkeit sei geboten, das Land dürfe sich nicht einschüchtern lassen. „Dagegenhalten und Abschrecken sind die Gebote der Stunde – Abschreckung wirkt auch gegen hybride Angriffe.“^[F.A.Z. – Waffenfund bei Berlin: Schleichender Angriff – url: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/weiteres-zeichen-fuer-sabotage-der-waffenfund-201147964.html]
Die Antwort der Bundeswehr: Langstreckenwaffen für zwölf Milliarden
Parallel zur Debatte über Sabotage und hybride Angriffe werden Pläne des Verteidigungsministeriums bekannt, die als direkte Antwort auf die Bedrohungslage gelesen werden können: Nach Informationen von POLITICO plant die Bundesregierung den Aufbau eines völlig neuen Arsenals von Langstreckenwaffen – Kostenpunkt: fast 12 Milliarden Euro. Ziel: Russland abschrecken und im Ernstfall Ziele tief im Hinterland des Gegners treffen können. Interne Planungsdokumente des Ministeriums stufen das Vorhaben als Top-Priorität für Deutschland und die Nato ein: Die Bundeswehr solle künftig „weit in den rückwärtigen Raum eines Gegners“ wirken können und gleichzeitig die Fähigkeit behalten, mit konventionellen Waffen unterhalb der nuklearen Schwelle zu reagieren.^[BILD – Geheime Bundeswehr-Pläne: Diese Waffen sollen uns vor Putin schützen – url: https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/bundeswehr-langstreckenwaffen-fuer-fast-12-milliarden-euro-geplant-6a8879da89ff002330aa29fa]
Vier Bausteine, klare Zeitpläne
Der Plan besteht aus vier Bausteinen; die ersten Systeme sollen bereits 2027 verfügbar sein, die modernsten Waffen erst Mitte der 2030er-Jahre. Besonders schnell soll ein neuer, vergleichsweise günstiger Marschflugkörper kommen – die Lehre aus dem Ukraine-Krieg lautet, dass nicht jede Waffe Millionen kosten muss: Wichtige Ziele können auch mit günstigen Flugkörpern angegriffen werden, die sich in großer Stückzahl produzieren lassen. Laut den Unterlagen verhandelt Deutschland bereits mit zwei Herstellern; als Kandidaten gelten die Marschflugkörper „Anthem“ des US-israelischen Start-ups Covenant Industries, „BARS“ eines ukrainischen Anbieters sowie „Flamingo“ der ukrainischen Firma Fire Point. Noch in diesem Jahr sollen erste Exemplare zur Erprobung geliefert werden.^[BILD – Geheime Bundeswehr-Pläne: Diese Waffen sollen uns vor Putin schützen – url: https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/bundeswehr-langstreckenwaffen-fuer-fast-12-milliarden-euro-geplant-6a8879da89ff002330aa29fa]
Bis europäische Eigenentwicklungen fertig sind, setzt die Bundesregierung auf eine amerikanische Übergangslösung: Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Anfang Juli angekündigt, dass Deutschland US-amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper beschaffen und stationieren will – sie gelten als erprobt und können Ziele über große Entfernungen präzise angreifen. Merz sprach damals von einer „wichtigen strategischen Lücke“, die geschlossen werde. Laut den Dokumenten soll Deutschland bis Ende des Jahrzehnts erstmals über eine Einsatzfähigkeit mit dem Typhon-System und Tomahawk-Marschflugkörpern verfügen.^[BILD – Geheime Bundeswehr-Pläne: Diese Waffen sollen uns vor Putin schützen – url: https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/bundeswehr-langstreckenwaffen-fuer-fast-12-milliarden-euro-geplant-6a8879da89ff002330aa29fa]
Hyperschall und das Trinity-House-Abkommen
Noch ambitionierter sind die deutsch-britischen Zukunftsprojekte: Gemeinsam entwickeln beide Länder einen neuen Hochleistungs-Marschflugkörper sowie eine Hyperschall-Gleitwaffe. Diese Systeme sollen Teil des sogenannten Trinity-House-Abkommens sein und Ziele in mehr als 2.000 Kilometern Entfernung erreichen. Der teuerste Teil des gesamten Plans ist die Hyperschall-Gleitwaffe: Fast 9 Milliarden Euro sind allein für Entwicklung und Beschaffung vorgesehen, weitere 182 Millionen Euro sollen später in Betrieb und Wartung fließen. Für den neuen Marschflugkörper kalkuliert das Ministerium mit weiteren 1,8 Milliarden Euro.^[BILD – Geheime Bundeswehr-Pläne: Diese Waffen sollen uns vor Putin schützen – url: https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/bundeswehr-langstreckenwaffen-fuer-fast-12-milliarden-euro-geplant-6a8879da89ff002330aa29fa]
Waffenfund und Aufrüstungspläne markieren damit zwei Seiten derselben Medaille: Der schleichende Angriff erfordert eine Antwort, die von Abschreckung über Aufklärung bis zu militärischer Schlagkraft reicht. Ob die geplanten Milliardeninvestitionen ausreichen, um die Gefährdungslage nachhaltig zu verändern, wird sich zeigen – die Debatte über Deutschlands Rolle in der neuen Sicherheitsarchitektur ist jedenfalls eröffnet.
Quellen: F.A.Z. – Waffenfund bei Berlin: Schleichender Angriff · BILD/POLITICO – Geheime Bundeswehr-Pläne: Diese Waffen sollen uns vor Putin schützen